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Full text of "Mashafa Falsafa Tabiban, Das Buch der weisen Philosophen"

Mashafa Falasfa Tabiban 



DAS 



BUCH DER WEISEN PHILOSOPHER 



NACH DEM AETHIOPISCHEN DNTERSUCHT 



TOIf 



CARL HEINRICH CORNILL 



LEIPZIG 

DRUCK VON F. A. BROCTKHAUS. 
S875. 

Digitized by Ran HaCohen 



SEINEM 



HOCHVEEEHKTEN LEHREK 



JOHANNES GILDEMEISTER 



DEM 



KIEBEVOLLEtf F0RDERER DIESER ARBEIT 



IN AU^RICHTIGSTEft DANKBARKEIT 
GEWIDMJX 



Die in der aethiopiscben Spracbe niedergelegte Li- 
teratur muss, wenn wir sie mit anderen vergleichen, 
an Umfang und Inhalt als wenig bedeutend angesehen 
werden; Originalwerke hat sie fast keine aufzuweisen 
sondern lediglich Uebersetzungen aus griecmjcben und 
arabischen Quellen. Da jedocb diese Uebersetzungen 
zum Theil sehr alt sind, so geben sie Hoffnung, dass 
einzelnes in ihnen sicb erbalten bat, dessen Originale ver- 
loren gegangen, und dass auf diese Weise noch mancbe 
interes|gnte Ausbeute gewonnen werden mag* Heraus- 
gegeben ist bis jetzt nur ein verschwindend kleiner 
Brucbtheil ; wer sicb eine genauere Kenntniss aneignen 
will, muss sie aus den in europaischen Bibliotheken 
zerstreuten aetbiopis|ilien Handscbriffcen scbopfen. Und 
so wird es denn keine iiberflussige Arbeit sein, eines 
der am leicbtesten zuganglichen Producte der aetbio- 
piscben Liter atur genauer zu untersucben: es ist dies 
das 0"ffrh<£. ! &Aft4* ! flifl«O'?' ! d. h. ,jdas Bucb der weisen 
Pbilosopben," von dem Dilbnann in seiner Obrestoma- 
thie pag. 40 — 45 ein kleines Excerpt mitgetbeilt bat. 

Der Ursprung dieses Bucbes gebt auf die spatere 
griecbiscbe sogenamfte Apopbtbegmenliteratur zuriick, 
wie sie namentlicb in der byzantinischen Zeit in iippig- 
ster Bliitbe stand. Man stellte tbeils sittlicb bedeu- 
tende, tbeils geistreicb spielende Aussprucbe und EiS 



zahlungen der beruhmtesten Denker und Dichter zu- 
sammen, gewissermaassen als die Quintessenz des zur 
Bildung des Herzens und des Yerstandes Forderlichen ; 
christliche Sammler pflegten auch wohl noch umfang- 
reiche Anthologien aus der Heiligen Schrift darein zu 
verfleehten. Diese gauze Literatur nun musste bei 
den Semiten nach ihrem alles Geistreiche und Poin- 
tierte liebenden Naturell auf feinen sehr giinstigen Bo- 
den fallen, und es war die unermudliche Uebersetzungs- 
thatigkeit der Syrer von Karrhae, Nisibis und Edessa, 
welche, wie das griechiscbe Schriftthum iiberhaupt, so 
diese besogidere Gattung dem Orient erschlossen. Wei- 
tere Bedeutung fur das Morgenland gewann sie jedoch 
erst, als die Araber sich ihrer bemachtigten und die- 
selbe in alle Provinzen ihrer weltlichen und geistigen 
Herrschaffc verpflanzten. Das literariscbe Bindeglied 
der Syrer und Araber war der Arzt Hunain Jbn Is- 
Mk aus dem zwischen beiden Sprachgebieten liegenden 
Stamm der christlichen Araber von Hira, welche zu 
dem Reich, der Khalifen in einem losen Abhangigkeits- 
^, verbaltniss standen , aber schon darch ihr christliches 
, Religionsbekenntniss und ihre Lage in Mesopotamien 
auf den Verkehr mit den Syrern hingewiesen waren, 
wie sie auch kirchlich unter den syrischen Bischofen 
standen. Obwohl Christ, ward Hunain Leibarzt des 
Khalifen Mutawakkil (847 — 861) und lebte geehrt 
und ' angesehen zu Bagdad, wo er 873 starb. Mit sei- 
nen Sohnen zusammen eroffnete er eine ausgedehnte 
litterarische Thatigkeit, welche sich namentlich auf 
Uebersetzungen aus dem Syrischen wandte; beider 
Sprachen selbst vollkommen machtig, machte er den 
Arabern die von den Syrern bereits gekannten und 






benutzten Schatze der hellenischen Literatur zug&ng- 
lich und war bo von bedeutendem Einfluss. Sein er- 
eignissreiclies Leben ist beschrieben bei Ibn Hallikan 
No. 208 ed. Wiistenfeld und darnach von Wiistenfeld: 
Gescbichte der arabischen Aerzte und Naturforscher 
Gotting. 1840 pag. 26 — 29. Nach Hunain wurde diese 
Art der schriftstellerischen Thatigkeit von den Arabern 
emsig cultiviert; einige weitere hierher gehorige "Werke 
sollen im Anhang aufgefiihrt werden , wo wir auch ei- 
nige kleinere Abschnitte unseres Buches durch , meh- 
rere Ueberlieferungen hindurch verfolgen wollen. 

Von den Arabern aus wurde diese Literatur auch wje- 
der fur andere Sprachen frucbtbar; spanische Rabbinen 
des Mittelalters iibersetzten sie vielfach ins Hebraische, 
und nicht weniger die Aethiopen eigneten sich dieselbe an. 
So ist denn auch unser 0vR t h6+'-Mh$*'-mf\J\'}' aus dem 
Arabischen entlehnt ; das Original ist unbekannt, die Ue- 
bersetzung verfasste ein Bischof Michael, Sohn des Abba 
Michael, wie es am Schlusse heisst: j"frG7oaD^saDX i h4 m i 

*ft*?i?IP£<S£ , As«w , 'hCfn4f , ^fts „Es wurde iibersetzt 
das arabische Buch in die Ge*ezsprache durch Michael 
den Sohn des Abba Michael den Bischof, indem ihn der 
heilige Geist unterstutzte." Dieser Bischof Michael ist 
jedoch sonst nicht weiter bekannt, so dass sich aus dieser 
Angabe kein chronologischer Anhaltspunct gewinnenlasst. 
Der aethiopische Text ist in mehreren Handschrdften in 
Europa; eine da von wurde von dem beriihmten Afrika- 
reisenden Eduard Rtippell nach Deutschland gebracht 
und von demselben mit den anderen von ihm erkauffcen 
ausserst werthvollen Manuscripten in echtem altem 
Frankfurter Burgersinn der Bibliothek seiner Vaterstadt 



8 )V" : 

geschenkt. Dieser Codex ist auf 219 Pergamentseiten von 
je zwei Spalten in Gross-Octav prachtvoll geschrieben 
mit ungewohnlicher Genauigkeit und Sorgfalt; die zwei 
ersten Zeilen der einzelnen Abschnitte sind roth und 
ausserdem mit Zahlen versehen, welehe jedoch erst von 
einer spateren Hand mit anderer rother Dinte auf ra- 
dierfce Stellen an den Rand gesetzt sind. In der Nu- 
merierung fehlen die Zahlen von 110 — 119; so dass 
es von 109 gleich auf 120 springt. Auffallend ist ferner, 
dass die Zahlen an manchen Stellen mitten in zusam- 
menhangenden Stiicken stehen und so den Sinn storen. 
Es liegt also die Vermuthung nahe , dass es urspriing- 
lich keine Zahlen, sondern graphische Abkiirzungen, 
sogenannte Sigel waren. Nun ist in den Zahlen von 
100 ab das Zahlzeichen fur 100 ? offehbar von der 
namlichen Hand und mit der namlichen Dinte geschrie- 
ben, als die rothen Anfangszeilen; und da dies Zahl- 
zeichen auch zugleich der Buchstabe Jaman ist, so hat 
vielleicht der Schreiber des Buches urspriinglich an den 
Band gesetzt pfli als Sigel fur J&fl,:flifl/fl ! )5 Es sprach 
ein Weiser ," mit dem die meisten einzelnen Abschnitte 
beginnen und dem es fast regelmassig entspricht. Manch- 
mal steht hinter dem j&fl,: ein Eigenname; dann ist 
das ursprungliche g auchamRande, niemals aber, wenn 
ein Abschnitt mit *H1UA : = Jl-w „ Es ist gesagt wor- 
den" anfangt. Ein spaterer Besitzer des Codex nun 
radierte walirscheinlich diese Sigel aus und versah die 
einzelnen Abschnitte zur bequemeren Zurechtfindung 
fur den Handgebrauch mit Zahlen, wo er ganz oko- 
nomisch das ursprungliche ? stehen liess und benutzte, 
wo er es benutzen konnte. Eine kleine rein graphi- 
sche Eigenthumlichkeit des Codex ist, dass er das Harm 



nait dem ersten u-haltigen Vocal stets •*? \ schreibt, wie 
das mit dem siebnten Yocal, anstatt *Y©: "Wlr wollen 
den Codex kunftighin mit E bezeichnen, und durch 
die beigefiigte arabische Ziffer die Seitenzahl, durch 
ein kleines a oder b die erste oder zweite Spalte der 
einzelnen Seiten ausdrticken. Die freie Benutzung des 
Codex wurde mir von den verdienstvollen Leitern un- 
serer Bibliothek, den Herren DD. Haueisen und Die- 
fenbacli mit der grossten Liberalitat gestattet. 

Der zweite Codex, den ich der Vermittelung meines 
verehrten Lehrers Grildemeister verdanke, ist in der 
Tiibinger Bibliothek und derselben von dem evangeli- 
schen Missionar Ludwig Krapff geschenkt. Er ist auf 
84 Papierblatter geschrieben, viel weniger schon und 
sorgfaltig als E und enthalt auch nicht das ganze Werk, 
sondern nur etwa drei Yiertel. Er bricht mitten in 
einem Satze ab mit den Worten: £/tjRf| ! A*flhA« s £>Xt m 'i « 
^4sf ! (hi er fiigt F, um Symmetrie zwischen beiden Satz- 
theilen herzustellen, ein fl*H>£ -•) h9°^\bJ ' »Es ist bes- 
ser fur den Menschen, wenn er geizig (mit seinem 

Gelde) ist, als wenn er ist" , wo wir nach 

E 153 b die Worte hX*? * fildlfr * erganzen miissen: 
„als wenn er ist schlecht von Character." Der Codex 
ist sehr fiuchtig geschrieben: der dritte und funfte Yo- 
cal sind gar nicht zu unterscheiden; der erste und 
vierte wechseln fast bestandig, ebenso der erste und 
sechste an Stellen, wo es geradezu grammatische Feh- 
ler giebt, wie z. B. bei der sta,tus-constructus-Verbin- 
dung und beim Accusativ; auch in den Erzahlungen 
wimmelt es von Ungenauigkeiten und Eehlern, welche. 
deutlich zeigen, dass der Schreiber seinen Text selbst 
gar nicht verstanden hat, sondern ganz mechaniseh Buch- 



10 

staben fur Buchstaben nachmalte. Zu Verschreibungen 
letzterer Art rechne ich Verwechselungen wie von £fl, 
(pan.-, und g,ft,&P g ?? er sprach zu ihnen" und „sie spra- 
chen zu ihm ", Verwechselungen , welche sehr haufig 
vorkommen und natiirlich ganze Erzahlungen durch- 
aus unklar machen mtissen. Alf nnd Ajn mit dem 
sechsten Vocal nach vorhergehendem a-laut sind haufig 
ausgelassen, manchmal im gleichen Falle sogar jene 
Gutturalen mit dem ersten Vocal. Past alle ahnlichen 
Lautzeichen, deren die aethiopische Schrift bekanntHch 
ausserordentlich viele hat, finden sich bestandig ver- 
wechselt oder nicht geniigend unterschieden, nirgends 
freilich so, dass der wahre Sinn nicht doch bald klar 
ware. Wir wollen diesen Codex mit T bezeichnen und 
durch arabische Ziffern die Blatter, wie der Codex 
selbst paginiert ist, durch kleines a und b die erste 
und zweite Seite des angefuhrten Blattes ausdriicken. 

Was das Verhaltniss von F zu T betrifft, so wei- 
chen sie dem Sinne nach ausserst selten, dem Wort- 
laut nach aber haufig ab, und zwar so, dass der offen- 
bar viel jiingere T in der Regel die stylistisch glat- 
tere Redaction bietet, wahrend F viele Tautologien, 
Paraphrasen und unndthige Flickworter bringt; wenn 
wir trotzdem F zu Grunde legen, so geschieht dies ein- 
mal, weil F das ganze Werk vollstandig enthalt, und 
dann besonders, weil er mit einer Sorgfalt und Genauig- 
keit geschrieben ist, wie sie wohl bei keiner Schrift 
ein grosseres Erforderniss ist, als bei der so ausser- 
ordentlich feinen und complizierten aethiopiscben. 

In der Orthographic herrscht, wie bei alien aethio- 
pischen Handschriften , so auch in diesen beiden die 
grosste Willkur; die Buchstaben V*di* und -J:, ft; 



11 

und 0*; i** s und fts, ft* un( i s werden unterschieds- 
los gebraucht; auch Verwechselungen des ersten und 
vierten Vocals, namentlich bei Gutturalen, sind ganz 
gewohnlicb. "Wir werden uns in den mitzutheilenden 
Stiicken der von Dillmann in seinem Lexicon festge- 
stellten Schreibart anschliessen, 

Weitere Handschriften des Werkes sind noch in Paris 
(A. d'Abbadie Oatal. rais. de man. eth. No. 26, 73, 81, 122) 
und in "Wien (Friedr. Mutter Die aeth. Hss. d. Hof bibl. 
in Wien: Zeitschr. d. D. morg. Ges. XVI 553 No. XVI 
u. 554 No. XIX); sonst -werden keine aufgefuhrt. 

Der erste , welcher unser aethiopisches Buch gekannt 
zu haben scheint, ist der in der zweiten Halfte des 
XVII. Jahrhunderts lebende Theodor Petraeus. Dieser 
gab 1660 ein jetzt sehr seltenes kleines Biichelchen 
heraus, dessen Mittheilung ich Prof. Gildemeisters Giite 
verdanke, unter dem Titel: Prophetia Jonae ex Aethio- 
pico in Latinum ad verbum versa et notis atque ada- 
giis illustrata a M. Theodoro Petraeo Mensburgo-Hol- 
sato. Lugduni Batavorum MDCLX, wo er, vermuth- 
lich urn einige leer bleibende Seiten zu fiillen, dem 
Btichlein Jona eine Reihe von Spriichwortern anhangte. 
Hier findet sich pag. 23 unter No. 19 folgendes: ftft" 

*UW- 'tf-AA » f-*A* • fWlfc? ■ (oh ?*** dR^V- » Mihk » ad 

A;HhI Montes Kuhol consummuntur specillo oculario, 
et ita tempus praefinitum hominis diebus. — Megans 
hoc adagium desumptum est ex libro magnae auctori- 
tatis et summi pretii apud Aethiopes, qui inscribitur 
< ID ft"rlu£. sl PAfl¥ < r* Liber Philosophiae, insignis tarn quod 
res, quam quod verba. Dieses angefuhrte Spriichwort 
findet sich aber weder in F, noch in T; Petraeus muss 
also entweder ein anderes Buch als unser <n>K<hd** 



12 

£Aft4«* meinen, oder dieses muss ihm in einer anderen 
Redaction vorgelegen haben. 

"Wenden wir unseren Blick jetzt auf das arabische 
Original. Dasselbe ist verloren, oder wenigstens in Eu- 
ropa nicht bekannt ; doch lasst es sich von der aethio- 
pischen Uebersetzung aus ganz gut beurtheilen. Um 
zunacbst eine Gesammtcharakteristik zu geben, so ist 
es ein Sammelwerk, wie es scheint zum eigenen Ge- 
brauche des Verfassers bei der Lecture angefertigt, in- 
dem er wahrend des Lesens abschrieb und eintrug, was 
ihm besonders beherzigenswerth erschien; es enthalt 
eine ziemlich plan- und regellose Compilation von Anek- 
dotchen und bon-mots beruhmter Philosophen, nament- 
lich griechisclier, von arabischen Spriichwortern und von 
Sentenzen, einige tief und schon, viele wahr, aber we- 
nig bedeutend, die meisten ziemlich platte und wohl- 
feile Lebensweisheit. Trotzdem weht durch das Granze 
ein durchaus eigenthiimlicher Geist, der es einer ge- 
naueren Pruning nicht unwerth erscheinen lasst. Die 
Anschauungs- und Ausdrucksweise ist echt semitisch; 
viele Spriiche sind in der den Orientalen so beliebten 
Form des Zahlenspruchs gegeben, viele in der eben- 
falls sehr gebrauchlichen Einkleidung, wie wenn ein 
Yater zu seinem Sohn sprache, mit £DA£*P * t5 *j L» 
j,mein Sohn" beginnend. 

Eassen wir zunachst die Person des Sammlers ins 
Auge. Er war auf jeden Fall ein Christ, wie dies aus 
den angefuhrten Kirchenvatern (Gregorius und Basilius) 
und Martyrern (>fr?% A^7 •') mit Evidenz hervorgeht, 
und zwar vermuthlich ein Monch. Dafur spricht der 
asketische Zug des ganzen Buches, die sichtliche Yor- 
liebe, mit der die Monche bedacht werden und ausser- 



13 

dem ein indirectes Selbstzeugniss. Der Sammler des 
Buches hat namlich ein kleines Stuck selbst beigeschrie- 
ben, welches uns einigen Aufschluss geben kann. Es 
lautefc F 79ab T 42b 43a (s. Seite 33): 

n HJs spricht der Sammler dieses Buches: Mein Sohn, 
strecke nicht voreilig deine Hand aus nach der Speise, 
Us der seine Sand ausgestreckt hat, welcher alter ist wie 
du an Person und Tagen. Und schaue nicht auf ihn 
mit Crier und Hast, und iss nicht, wenn (er) nicht vor 
dir (gegessen hat). Und schaue nicht auf einen von denen, 
welche mit dir essen und sprich nicht viel mit ihm und 
nickt mit denen, welche ihm aufwarten. Und gewohne 
deine Seele an Bankbarkeit und Essen mit Maass; derm 
viel Essen macht Icrank und bringt Faulheit. Sprich nicht f 
was du nicht verstehst, und alsbald frage darnach; und 
gew'6hne deine Zunge an schone Rede und schones JDienen 
alien Menschen. a 

Hier glauben wir ordentlich einen Blick zu werfen 
in das stille Refectorium eines Klosters, wo die ern- 
sten Monche schweigend ihr einfaches Mahl einnehmen: 
und in der That stimmt der erste Theil dieses Abschnit- 
tes fast wortlich mit der von Dillmann Chr. pag. 57 — 69 
mitgetheilten aethiopischen Monchsregel des Pachomius 
uberein; ich hebe hervor die Stellen: pag. 58 lin. 17: 
„ Und wahrend sie essen, sollen sie mit ihren Kapuzen 
ihre Haupter verhiillen, damit der Bruder seinen Bru- 
der nicht sieht, wahrend er kaut. Und es soil keine 
Unterhaltung sein, wahrend sie essen ; und hinaus, und 
anderswohin, als nach dem Tisch und der Schiissel soil 
ihr Auge nicht sehen" — und besonders pag. 61 lin. 5: 
„Und keiner soil sehen, wahrend die Bruder essen und 
keiner soil seine Hand nach dem Tisch ausstrecken vor 



14 

dem, der alter ist, als er." Der Sammler unseres Bu- 
clies war also ein arabischer Monch und gehorte dem 
gerade in Arabien, Palaestina und Aegypten sehr ver- 
breiteten Orden des Pachomius an, wie zu schliessen 
wir nach obigem wohl berechtigt sein diirfen. 

Wurden wir durch die eben mitgetheilte Stelle in 
das Eefectorium gefiihrt, so giebt una ein anderes Stuck 
einen Einblick in die Klosterbibliothek. Eg lautet 
F 16a — 17b T 7b — 8a (s. Seite 33): 

„Es ist gesagt worden: Und es ham ein Weiser zu 
einem Weisen in seine Behausung, wahrend er einsam war; 
und er sprach zu ilim: du Weiser, du Mnsamer ob 
deiner Mnsamkeit! Und dieser sprach m ihm: Nicht 
bin ich einsam, sondern ich bin mit vielen weisen Mannern, 
und mit welchem von diesen ich sprecJien will, der spricht 
mit mir. Und alsbald streckte er seine Hande aus und 
holte viele Bucher von seinem Schrank, indent er sprach : 
Hier sagt Galenus die Wahrheit, und Sippokrates unter- 
weist, und Sokrates lehrt, und Plato redet, und Aristo- 
teles dient als Zeuge (Beweis), und AMandinos spricht in 
Grleichnissen 1 , und Hermes antwortet, und Porphyrius er- 
mahnt, und Gregorius redet, und David lehrt, und Pau- 
lus predigt, und das Evangelium verkiindigt die frohe Bot- 
schaft. Und welchen von diesen alien ich will, der un- 
terhalt sich mit mir und ich unterhalte mich mit ihm, und 
nicht kenne ich Zweifel im geringsten. u Unser Sammler 
scheint Bibliotheken fleissig benutzt zu haben: denn die 
auf Namen zuriickgefiihrten Erzahlungen und Spriiche 
seines Werkes bringen, mit einziger Ausnahme des Ak- 
landinos, die sammtlichen Manner wieder, die uns dort 



i s. S. 34 Anm. 8 zum Text. 



15 

gezeigt wurden und ausserdem noch erne betrachtliche 
Reihe von anderen. Es sind: Sokrates ft^T* Dioge- 
nes J5Lf\??fti Plato M^A/iO* Aristoteles hClWaUlA*. 
Pythagoras (t^-X^fts Gallnus J3A/J7P Hippokrates fc-fl 
4»^<ps Alexander hfifaJRC * Demokritus oder Bemo- 
krates JtiH^'P-' 1 Ptolemaeus flTA«/Pfl ! Heraklius &<£ 
tytsjx* Themistius -f^ftTP-A* Simonides A.0»T£./P Her- 
mes VG9°ft! Cicero $4>£h* Sextus AA«l* Gregorius 
->C-JCP-ft* der heilige Basilius 'M-il •* HA AP-fl = David 
/J^j Salomo fl/H^s Haikar JU*. A,^C S Buzurgi- 
milir ^^.•, flCH?°OC: TJnbestimmbar fur mich sind: 
Ar e stula ftCftm-4: S61 e s flAft-*K e rsis hCftA-* Kasrihft<5s 
Seine Bekanntschaffc mit diesen Mannern hat der Zu- 
sammensteller jedoch schwerlich aus deren Original- 
werken, sondern hochst wahrscheinlich aus ahnlichen 
vor ihm angefertigten Compilationen gemacht ; liber den 
von ihm beabsichtigten Zweck ^eines eigenen Sammel- 
buches giebt die Einleitung Auskunft. 

Diese Einleitung ist in vielen Beziehungen interes- 
sant , so dass wir sie in extenso mittheilen wollen. Sie 
ist , das kleine oben angefuhrfce Sfcuckchen abgerechnet, 
das einzige, was vom Sammler selbst herruhrt, und, 
wie dies bei den Arabern allgemein iiblich, urspriing- 
lich gewiss in der eigenthumlichen gereimten Prosa 
abgefasst gewesen: sie moge als eclatantes Beispiel die- 
nen, bis zu welcher Geschmacklosigkeit — fur unsere 
Begriffe wenigstens — diese Stylgattung fiihren kann, 
wenn es nicht das Genie eines Hariri ist, das ihr Geist 
und Anmuth einhaucht. Urn das Colorit des Originals, 
seine gesuchte Gespreiztheit und Ktinstelei, dem Leser 



*s. d. Ausfiibrung S. 34. 



16 ■''£■■- 

recht anscbaulich zu machen , nrussen wir hier beson- 
ders wortgetreu ubertragen: die gereimte Prosa, welche 
schon in der aetbiopischen Uebersetzung verloren girig, 
in der deutschen berauszuqualen, wollen wir lieber gar 
nicht versucben, da wir tins wobl bewusst sind, nicbt 
die Spracbgewandtbeit eines Biickert zu besitzen. Die 
zur Recbtfertigung der Uebersetzung dienenden Anmer- 
kungen werden, da sie erst nacb Kenntniss des Textes 
verstandlicb sind, diesera angebangt werden. Die Ein- 
leitung selbstlautet: ¥ la— 5b T la-— 2b (s. S. 34ff.): 
„Im Namen Gottes, des Gnddigen und Barmherdgen, 
auf den unsre ZuversicM und Rulfe ist, fangen wir an 
mit der Hulfe unsres Herrn Jesu Christi zu schreiben das 
Buch der weisen Fhilosophen, in welchem sie sprechen, ein 
jeglicher von ihnen nach Maassgdbe seines Konnens; und 
siehe, sie haben in ihm gesammelt viele Rede der Ermah- 
nung und UeUiche Unt&rweisung und VerMndigung ge- 
wurzt wie Sah [dessen Aufbewahrung bequem ist und des- 
sen Anhoren leicht ist] 1 ; und es (dies Buck) erfreut die 
FLerzen und spendet Ver stand dem Verstandigen — in- 
dem sie (die weisen Philosopfien) erwdhnt haben in ihm 
herrliche und offenkundige Thaten — durch die Weis- 
heit des Weisen und die VerMndigung des Gelehrten 2 ; 
und es ist ein Licht des Forschens und eine Leuchte s der 
Mnsicht; und es ist in ihm eine Fessel des Gewinnes; 
und dieses (Buch) ist vorzuglicher als Gold und als Sil- 
ler und als grosse Edelsteine; und es ist schoner als die 
Blume des Gartens: und welcher Garten 1 gleicht ihm an 
Aussehen und an Duft des Wohlgeruches ? Und diesen 
Garten trdgst du in deiner Brust und birgst ihn in dei- 
nem Herzen. 5 Und es (dies Buch) macht fruchtbar 
deine Mnsicht, und Gott, der Erhabene , moge dir spenden 



17 

EinsicM reichlich und Wissen viel und Gharakter herr- 
Uchj und es moge dich mehren Gott an alien Vorzugen. 
Und so oft du in ihm li4j$&> mehrt es dir EinsicM zu dei- 
ner EinsicM und macht sanft deine Natur und macht lieb- 
lick deine Zunge und macM edel deinen Charakter und 
macht dir richtig deine Bede und giebt dir Gedeihen bei 
allem deineni Unterfangen. Du lernst in Einem Monat, 
was du nicht lernst in Men deinen Tagen, von dew, Munde 
iveiser Manner, in Buhe*, dwch Arbeit und durch Eifer 
und Stehen an der TMre des Gewinnes und Sitzen vor den 
Stufen (d. i. Kathedern) unterricMeter Manner. Und die- 
ses (Buch) ist lesser, als Aufhdufen von Schatzen und 
duftet hesser als alle lieblichen Wohlgeriiche; und gut ist 
es und Aufrichtigkeit seine Slimme. Und dasselbe stent 
dir zu Gebot in der Nacht, wie am Tage, und steM dir 
zu Gebot audi auf der Beise, und ist bei dir und trennt 
sicli nicM von dir;' und wenn cM es rufst, beeilt es sich, 
zu dir zu hommen, und ein Bote } der Freude bringt, ist 
es dir, eine feste Hulfe ist es auf den Wegen des Kum- 
mers und des Verderbens; und es mehrt dir Freude zu 
deiner Freude und ist ein ErlekMerer des Kummers fiir 
immer. Und es bringtfur dich zusammen, so gut es kann, 
womit du dir helfen kannst auf alien Wegen deines Kum- 
mers; und es halt von dir fern die Bedrangniss deines 
Grams und die Lange deines Wachens und deines Schla- 
fens. 7 Bufe es zur Zeit deiner Noth, und es gehorcht dir 
bei deinem Gelien und deinem Sitzen; und vertraue darauf 
bei allem deinem Thun; und halte es hoch fur die Tage 
deiner Freude, denn es ist zuverlassiger als Beichihum 
und ein Weib anstatt eines weisen Verwalters 8 ; und ein 
angenehmer (trefflicher) Erzahler (Belehrer) ist es, nicht 
ist ihm das Wachen bei Nacht hinderlich und macht es 

2 



18 

nicht mude, und nicht macht es matt vieler Gebrauch. 
Wenn du tvillst, lacht es wegen seiner Verheissung, und 
wenn du willst, weint es wegen seiner Unterweisimg : und 
es ist beredt, tvenn es audi ein stummer Ermahner ist; 
und wenn nicht etwas von semen Vorzilgen dir zu Theil 
geworden ware und von seinem Wohlthun gegen dich, so 
hatte es wold nicht von dir femgehalten das Sitzen bei 
Thoren und den Verkehr von Schlechten mit dir. Und 
dies (Buch) ist fur dich ein grosses Gut und ein schoner 
Muhm und ein lieber Bruder; und ein nutzlicher Diener 
ist es und ein Freude bring ender Bote. Und eine Ver- 
mehrung der Einsicht fur den EinsicMigen ist es; denn 
das Buch ist ein geschdtzter Erzieher: es erfreut den, der 
sich ihm zugesellt, und dem der mit ihm wohnt, dem Urgt 
es seine Geheimnisse 9 und wird nicht fertig mit Verkun- 
digung. Und wenn du dich ihm naherst, kommt es nahe; 
und wenn du dich von ihm entfernst, ziirnt es nicht; und 
wenn du es rufst, antwortet es dir; und wenn du es stark 
benutzest, tadelt es nicht, sondern es kommt zu dir un- 
terwurfig deinem Befehl und giebt dir Einsicht dessen, tvas 
von Nutzen ist in der Versammlung; und es halt fern 
von dir den Schmutz des Tadels und halt dich ab zu thun 
Sunde und Verschuldung, und hutet dich in alien deinen 
Tagen. Und es ist dir ein Erzahler zur Zeit deiner Ein- 
samkeit : und nicht lasst es dich thun ein Thun, das du 
nicht Jcannst, und nicht tragt es dir auf schimpfliches 
Thun. Und es halt fern von dir die Ketzerei des Abfalls 
und bewahrt deine Zunge vor Anstossen. Du bringst mit 
seinem Betrachten viele Zeit zu und trostest dich d-urch 
dasselbe uber vielen und schweren Kummer. Es umfasst 
die Beihe der Unterweisung (d. h. den gesammten Un- 
terrichtscursus) und verbindet feme Geliebte. 10 Durch das- 



19 

selbe geivinnt Nutzen, wer es sick angeeignet hat, und rei- 
chef als seine Nachsten ist, wer es liest; denn dieses ist 
die duftige Blume des Gartens. Ich sage, dass wer die 
guttlichen Bucher fleissig liest, nicht des Gemnnes erman- 
gelt ; denn die Heilige Schrift ist eine Fundgrube des Wis- 
sens und der Weisheit. Denn die Seele ist eine intellec- 
tuelle und eine leibliche Kraft, wodurch der Mensch in- 
teUecttielle Binge durch den Intellect und leibliche durch 
den Leib empfdngt. 1 ' 

Nach dieser sehr charakteristischen Einleitung be- 
ginnt das eigentliclie Werk, zu dessen Betrachtung wir 
jetzt ubergehen wollen. 

Yon jeher hatte der Orient besonders die didak- 
tische Gnomenpoesie gepflegt, deren Aufgabe es ist, 
moralische und praktische Wahrbeiten und Erfahrun- 
gen in moglichst kurze und pragnante Worte zu fassen. 
Mit einer Probe solcher didaktiscben Poesie, und zwar 
einer durch und durcb orientalischen , wollen wir be- 
ginnen. Unser Oodex giebt uns eine langere Reihe 
von Spr lichen des Haikar, unter denen sich manche 
schone und tiefe befinden. Sie sind entlehnt aus einem 
der beruhmtesten Marchen der Taueend und Eine j^acht; 
„Geschichte Haikars des Weisen und seines Neffen 
JSTadan" und bilden einen Theil der Unterweisung und 
Errnahnung, welche Haikar seinem Neffen Nadan er- 
theilt, indem er ihn adoptiert. Im Anhange werden 
wir auch den arabischen Text zur Vergleicbung bei- 
geben; hier mogen 1 5 jener Spruche eine Stelle finden : 
E 115a — 122b T 62b — 66b (s. S. 40 ft): 

„ Unterweisung Haikars des Weisen, Mr sprach : 

1. Sore, mem Sohn,. und behalte im Gedachtniss meine 
Rede, dass du gedenhest Gottes des Erhabenen und Mach- 

2* 



20 ? 

iigen. Mein Sohn, wenn du eine Bede horst, birg sie 
in deinem llerzen und offenbare sie nicht deinem Ndch- 
sten, dass sie nicht werde zu Kohlen und verbrenne deine 
Zunge und dir Spott zuziehe und dich verhasst mache 
bei Gott. 

2. Mein Sohn, mache schon deine Bede und dein Be- 
nehmen; denn Schweifwedeln des Hundes giebt ihm Brod, 
aber seine Kinnlade Steinwurfe. ..£ 

3. Mein Sohn, halte dich nicht auf bei dem, in wel- 
chem Zank ist; denn Min- und Herreden bringt Zank 
und Zank giebt Bachsucht und Todschlag zum Erbtheil. 

4. Mein Sohn, wenn ein Haus gebaut wurde mit 
(blossem) Beden, ohne Thun, so wurde ein Esel taglich 
je zwei Hauser bauen. 

5. Mein Sohn, Steine tragen mit einem weisen und 
verstdndigen Mann ist besser, als Wein trinken mit einem 
Thoren. 

6. Mein Sohn, so lange Sandalen an deinen Fussen 
sind, zertritt Dornen und ebne den Weg fur deine Kin- 
der und die Kinder deiner Kinder. 

7. Mein Sohn, wenn der Beiche eine Schlange isst, 
sagt man von ihm: Er sucht ein Heilmittel darin; wenn 
aber der Arme (sie) isst, sagt man von ihm: Aus Hun- 
ger (thut) er (es). 

8. Mein Sohn, wenn zu dir kommt, der geringer ist 
uls du und drmer, empfange ihn durch Aufstehen. 

9. Mein Sohn, der Bose fallt und nicht erhebt er sich; 
aber der Gute fallt und erhebt sich alsbald und wohnet 
an seiner Statte, 

10. Mein Sohn, lass nicht ab zu schlagen deinen Sohn; 
denn Zuchtigung des Kindes ist fur es gut, wie der Mist 
das Land gut macht; und wie ein Land, welches nicht 



21 

holprig ist und auf welchem Cfras '1st, die Tkiere erfreut, 
so erfreut ein woUgesogener Sokn semen Vater. 

11. Mein Sohn, halte im Zaum deinen Sohn, so lange 
er noch Mein ist, dass er nicht heranwachse und du nichts 
mehr ufter ihn vermogest und errothen mussest uber sein 
verderbtes Handeln. 

12. Ein schoner Buf ist lesser als eine schone Er- 
scheinung; denn der schone Buf besteht bis in Ewigheit, 
aber die schone Erscheinung und Gestalt vergeht. 

13. Mein Sohn, besser ist straucheln mit dem Fuss, 
als straucheln mit der Zunge; und nicht bringe hervor 
eine Bede aus deinem Munde, ehe du m Bathe gegangen 
bist mit dir selbst. 

14. Mein Sohn, wenn sick rucJcwdrts wendet der Lauf 
des Wassers, und wenn die Vogel fliegen ohne Flugel, 
und wenn der Babe weiss wird ivie Schnee, dann wird 
ein Thor tveise. 

15. Mein Sohn, wenn du weise sein willst, hute deine 
Zunge vor dem Lugen und deine Hand vor dem Stehlen. " 

Einen wesentlich anderen Ton schlagen die Spriiche 
des Sextus an, welche unbezweifelbar christlichen Ur- 
sprungs sind und von denen unser Werk sechs ent- 
halt. Diese Grnomen des Sextus sind mehrfach iiber- 
liefert: einzelne griechisch, die vollstandige Sammlung 
lateinisch von Rufinus und in syrischer Uebersetzung 
nach zwei verschiedenen Redactionen, was auf das hohe 
Ansehen scbliessen lasst, welches dieselben genossen. 
Zu vergleichen ist die grfindliche und gelebrte Mono- 
grapbie Grildemeisters : Sexti sententiarum recensiones 
Latinam Graecani Syriacas conjunctiva exhibuit J. G. 
Bonn 1873, welcbe alle hierbei sicb aufwerfenden Fragen 
in erschopfender "Weise behandelt. Die sechs aethio- 



22 

pisch iiberlieferten Spriiche lauten: F 83 ab T 44b 45a 
(s. S. 44 ff.) : **■ 

„ Von der Rede Sextus' des Weisen. Er sprach: 

1. Mein Sohn, sundige nicht; und wenn du gesundigt 
hast , so nimms nicht leicht und halte es nicht Jpr einen 
(blossen, schuldlosen) Irrthum von dir. 

2. So erkenne sie denn, die Weisheit die grosse, dutch 
welche du dazu gelangst, zu ertragen die Unbildung de$? m: 
Thoren. "^''"' 

3. Die Seelen der Weisen sind unersdttlich im Dienste 
Gottes, ihm sei Preis. 

4. Thue deine Pflicht, indent du auf deinen Schopfer 
vertraust, damit all dein Thun gedeihe. 

5. IAebe nicht das Fleisch, sondem liebe eine gute 
Seele nach Gott dem Erhabenen. 1 

6. Es ist Pflicht des Weisen, zu Mmpfen den guten 
Kampf. " 

Die fiinf ersten dieser Spriiclie beobachten mit ei- 
nigen Auslassungen genau die Reihenfolge des Yon 
Eufinus iiberlieferten lateinischen Textes und stehen 
sammtlich zwischen 283 und 292; wenn wir sie mit 
den syrischen Redactionen vergleichen, finden wir das 
merkwiirdige Resultat, dass der Aethiope sich in man- 
chen kleinen Einzelheiten viel genauer an den latei- 
nischen Text anschliesst, als der gewiss eine Reihe von 
Jahrhunderten friihere syrische Uebersetzer; das hier 
Behauptete wird im Anhang seine Bestatigung finden. 
Es lasst sich dies nur so erklaren, dass der Verfasser 
des unserem Werke zu Grunde liegenden arabischen 
Originals entweder sich wortgetreuer dem Texte, aus 



1 a. die Ausfiihrung bei dem Text S. 46f. 



23 

dem er iibersetztfe , afrigeschlossen oder ein% bessere Re- 
cension benutzt hat, als sein sj^rischer College. 

Man wird begierig sein, M erfahren, was wohl die 
grossen Namen, welche das oben gegebene Verzeich- 
niss aufweist, zu diesem „ Buch der weisen Philosophen" 
beigesteuert haben ^Ihogen ; aber man erwarte nieht zu 
viel : die grossen ISFamen werden nur benutzt als Aus- 
hangeschild fxir die denkbar gewohnlichste Lebensweis* 
heit. So lesen wir gleich von Plato ein hochst selt- 
samea Philosophem , welches nocb dazu mit sichtlicher 
Emphass als ganz besonders hohe platonische Weis- 
heit bingestellt wird: F 97a T 53a (s. S. 47): 

Und sielie, walir ist der Ausspruch Flatos, welcher 
sagte: Wenn ein Mensch fett ist an Leib und finster von 
Ansehen, dessen Natwett ist Jiasslich; wenn aber einer 
schlanJc ist an Leib und leuchtend von Antlitz und sckon 
in Anmuth, dann ist das Naturell, welches in %hm ist, scMn. <( 
Aristoteles lehrt uns folgendes: F 139 a T 76 b 
(s. S. 47): 

„Es sprach Aristoteles: Wehe dem MeicMhum, wenn 
man nichfgiebt von ihm, und wehe der Stadt, welche keine 
Buhe hat, und wehe den Bichtem, welche die Vnschul- 
digen fiircliten." 

Daneben finden sich freilich einzelne Ausspniche 
uber Seele und Temperamente; doch sind diese go 
schlecht iiberliefert und so unklar und falsch iiber- 
setzt, dass aus ihnen nichts gewonnen werden kann. 

Zu einer ahnlichen Unbedeutendbeit und Allgemein- 
heit wie die heidnischen Philosophen sind auch die 
christlichen Kirchenvater Gregorius und Basilius ab- 
geblasst: aus der Nennung von bloss diesen Beiden 
geht, beilaufig bemerkt, hervor, dass der Verfasser ein 



24 

Jacobit war; denn Jacob Baradaeus in seinem nocb 
zu erwahnenden Glaubensbekenntniss nennt diese Beiden 
neben einander an erstef" Stelle unter den ihm fur or- 
thodox geltenden griechischen Vatern. Sie stehen audi 
bier neben einander , und wir wollen die gaito nicbt 
lange Stelle mittheilen: F 215b— fl6b (s. S.^7£): 

„Es sprach der heilige Basilius zu Leiden, als sie 
ihn fragten und zu ihm sprachen : Was ist der Kummer 
der Welt? Und er sprach zu ihnen: Was sich nicM ver*^. 
tragi mit der Gottesfurcht, das ist der Kummer der Welt. 
Und welter fragten sie ihn und sprachen zu ihm: Was 
ist Demuth des Herzens und wie erlangen wir sie? Er 
sprach zu ihnen: Demuth des Herzens besteht in Folgen- 
dem: Wenn man alle Menschen fur grosser als sich halt, 
wie unser Herr sprach: Lernet von mir, denn ich bin 
sanftmuthig und von Herzen demuthig. Wie mit der 
Weisheit dieser Welt; nicht erwerben sie die Menschen 
ausser mit Demuth: so ist die Demuth des Herzens, wenn 
der Mensch sich selbst fur den Geringsten von alien halt. 

Ms sprach der selige Gregorius: Der Herr der Fr- 
habene und Grosse verlangt von alien Menschen vWr Dinge; 
namlich: Annehmen der Taufe, und rechten Glauben vom 
Herzensgrunde aus, und AufrichtigJceit der Rede, und Rein- 
heit des Fleisches. Und weiter sprach er: Sohn Adams, 
freue dich nicht uber Reichthum und betrube dich nicht 
fiber Armuth; grame dich nicht wegen Hunger und freue 
dich nicht ivegen Sattigung; denn das Gold pruft man 
im Feuer, und einen w acker en Knecht pruft man im Mend. 
Und du erlangst nicht, was du brauchst, ausser durch 
Fahren-lassen dessen, was du wunschst, und fuhrst nicht 
herbei, ivas du hoffst, ausser durch Frtragen dessen, was 
du hassest. Desshalb sei wachsam, so lange du Jcannst, 



25 

zu halten, was s dir der Herr verordnet hai und set zu- 
frieden mit dem, urns dir der Herr bestimmt hat. 11 

Alles dies enthalt im einzelnen viel Schones und 
ist von einem ernsten und milden Geist getragen, ist 
aber durchaus weder charakteristisch, noch individuell. 

Eine eigenthumiiche Erscheinung bietet eine lan- 
o-ere Erzahlung von Sokrates. In ihr ist offenbar das 
bekannte aTCoaxoTTiaov \lqv des Diogenes auf Sokrates 
iibertragen und ausserdem das ganze Stuck so spezi- 
fisch christlich umgestaltet und weitergebildet, dass man 
aus Sokrates' Munde einen orientalischen Monch zu 
horen glaubt. Alexander der Gross© erscheint einfach 
als „ Konig", und, wie nock ofters in dem "Werk, wird 
sichtlich tendenzios der Konig dem Weisen gegeniiber 
in eine ziemlich inferiore Stellung gebracht. Die ganze 
Erzahlung lautet: F 155b— 157a (s. S. 48 £): 

„ Und eines Tages kam zu ihm (dem Sokrates) em 
Konig, wahrend er sich an dem Ausgange einer Hohle 
somite. Der Konig sprach zu ihm: Was hat dich verhindert, 
zu uns zu kommen? Und er antwortete ihm: Das Ding, wo~ 
durch man das Leben befestigt, o Konig. Der Konig erwi- 
derte ihm: Wenn du zu uns gekommen warest, so wdren 
wir dir niitdich gewesen und hatten nicht gelitten, dass du 
irgend etwas entbehren musstest. Und der Konig dacMe 
an das Leben dieser Welt, Sokrates aber sprach zu ihm 
nur von dem ewigen Leben. Und Sokrates sagte zu ihm: 
Wenn ich das von dir bekonimen hdtte, so ware es (ein) 
deiner wiirdig(es Geschenk) gewesen, und nicht hdtte mich 
Begehren nach etwas anderem getrieben. Der Konig ent- 
gegnete ihm: Heische von mir dein Begehren! Sokrates er- 
tviderte ihm: Mein Begehren von dir ist, dass du deinen 
Schatten von mir tvegnehmest; siehe du hinderst mich daran, 



26 

mich zu sonnen. Und der Konig v&rsprach ihm viel Gold 
und Jcostbare Edelsteine und pracMvolle Gewander von 
Goldstoff; und Sohrates sagte zu ihm; Du hast mir et- 
was versprochen, o Konig, womit man das Leben ausloscht 
und hast (die mir verheissenen WohUhalen) gemdert zu 
etwas, was den Tod bringt. Nicht ist das Begehren des 
Sohrates nach den Steinen der JErde, welche den Tod bringen 
und den Wurm, der nicht schldft; aber das Begehren des 
Sohrates ist allezeit vor ihm dorthin, wohin er geht. Der 
Konig sprach zu ihm, indem er Freundschaft mit ihm zu 
schliessen wunschte: Und du, trots (der dir winkenden 
Freundschaft mit) dem Konig, o Sohrates, versagst dir 
selbst die Herrlichkeit der Welt? Sohrates sprach zu ihm: 
Bas menschliche Leben 1 ist Thierfleisch-essen und Wein- 

trinJcen und Sich-verheiratJien und Sich-kleiden ; und nicht 
sehr ist die Herrlichkeit der Welt fur Sohrates kostbar. Und 
wer seinen Gef alien an ihr findet, der gleicht dem Geier, des- 
sen Bauch das Grab der Thiere ist, und baut lieber was 
verganglieh ist, als dass er baue, was Ueibet ewiglich." 

Ein Seitenstiick hiezu bietet eine ausserst charak- 
teristische und schone Monchsgeschichte, welcne unbe- 
dingt zum Besten des ganzen Buches gehdrt; sie ist 
die deutlichste Illustration zu unserer Behauptung, dass 
in dem vorigen Stuck Sokrates rede ? wie ein orienta- 
lischer Monch. Diese Erzahlung ist gewissermassen 
die Zwillingsschwester der vorigen und soil daher gleicli- 
falls ganz mitgetheilt werden: Pi 2 3a — 125b T 67a — 
68a (s. S. 49 f.): 

„Es erzahlte ein Menscli: Ieh traf einen von den 
palaestinischen Monchen, und ieh rief ihn an, und er wen- 



1 s. Anm. 3 zum Text S. 49. 



27 

detc sich mi mir. Und ich sprach zu ihm: Wie betrach- 
lest du die Welt? Und er antwortete mir: Indem sie 
jtinfdlUg mackt die Seelen und erneuert die Leiber und 
vergehen mackt die Tage. Und ich entgegnete ihm: Wie 
betracMest dtt denn die Menschen? Er erwiderte: Wer 
hat, hat Muhsal, und tver nicht hat, wird versucht. Und 
iviederiwi sagte ich zu ihm: Giebt es wohl eine Freude? 
Er antwortete: Wenn man wandelt auf dem Wege. — 
Und was ist das, Wandeln auf dem Wege? Er versetzte: 
Buhe erlangen. — Wodurch werde ich geleitet auf diesen 
Weg? Er sprach: Durch Wachsamheit in den Dingen 
der Welt. Und ich sagte zu ihm: Unterweise michl Er 
entgegnete: Iss in Beinheit und sei zufrieden 1 mit dem, 
tvas du brauchst. Und ich sprach zu ihm: Sage mir noch 
melvr! Er erwiderte: Sei einsam; denn (alles) das ist 
em Vortheil, was ein Mittel zum Gottesdienst ist. Und 
ich versetzte ihm: Und was gewinne ich denn durch die 
Einsamkeit? Er antwortete: Buhe vor dem Gerede der 
Menschen und Entgehen ikrem Bosen. JJnd ich sagte zu 
ihm: Wie betrachtest du dein eignes Sein? Und er ent- 
gegnete mir: Wie ist das Sein eines, der wandelt einen 
weiten Weg ohne Beisezelirung und ubernacMet in den 
Grdbern 2 und steht vor dem ivahren, gerechten Bichter? 
Und ich sprach zu ihm: Wann ziehet am die Welt aus 
dem Herzen und macht die Weisheit Wohnung in der 
Brust? Er antwortete: Siehe, du fragst mich ein schweres 
Ding. Und ich wiederholte das Fragen darnach. Er sprach 
zu mir: Von der Zeit an, wo ich dich gesehen habe, hast 

1 s. Anm. 3 zum Text S. 51. 

2 Nach der bekannten orientalischen Sitte, dass Reiseade, die 
kein Unterkommen finden konnen, die Nachte in den GrabkapeUen 
zubringen. 



28 

du deinen Nacken frei gemaclit davon, ein Sclav zu sein. 
Denn das Here, wenn es rein ist, kommt bis zum Himmel. 
TJnd ich sagte zu ihm: Und was ist es denn, das dich 
am meisten in Versuchung fuhrt? Er entgegnete: Hof- 
fahrt und Zuversichtlichkeit fur elate ich, dass ich nicht 
falle in sie. Und ich sprach zu ihm: Warum kleidest 
du dich dunkel? Er erwiderte: Die Braid, der ihr Brdu- 
tigam gestorben ist, wenn sie kummervoll ist, zeigt sie ihr en 
Kwnmer und Meidet sich dunkel. Und ich sagte zu ihm: 
Durch was loschen wir den Gehorsam aus? Er antwor- 
tete: Dadurch, dass wir uns verblenden und der Leiden- 
schaft folgen und sprechen: Barmherzig ist Gottt; und 
wenn der Erhabene eucJi eben so hetzte, wie der Konig 
euch hetzt, ihr wurdet ihm schon gehorchen. Und ich sagte 
zu ihm: Unterweise mich ! Er erwiderte: Bete mit diesem 
Gebet und sprich: Herr, mache mich ergeben dir, der 
du mich geschaffen hast, und muthe mir nicht zu, was 
mir nicht moglich ist, und lass mich fern sein von Sunde, 
und versage mir nicht , worum ich dich bitte und lass mich 
nicht fern sein von deiner Gnade. Und ich entgegnete 
ihm: Sage mir noch mehr! Und er sprach zu mir: Siehe, 
ich habe dir zusammengefasst alle Dinge; halte mein Gebot. Ci 
Durch alles bisher Mitgetheilte klingt Ein Grrund- 
ton durch: eine ernste, sinnige, stark asketische Lebens- 
anschauung. Dieser Grundton ist auch in dem ubri- 
gen "Werk treu fest gehalten, und einige ganz ver- 



1 Ich miisste sehr irren, wenn dies nicht ein Seitenhieb auf den 
Koran sein sollte, welcher von der Phrase: „Denn Gott ist gnadig 
und barmherzig" einen so ausgedehnten Gebrauch macht, dass daraus 
allerdings leicht eine laxe Moral entstehen konnte, da nicht Jeder 
eine H6he der sittlichen Anschauung hat, wie Psalm 130,4: „Denn 
bei dir ist die Vergebung, dass man dich furchte." 



29 

einzolte Stiickchen anderen Charakters vermogen nicht, 
ihn zu modifizieren. Urn. aber jenen Gesammtcharakter 
des „Buchs der weisen Philosophen" zu veranschauli- 
chen ? scheint das Gegebene ausreichend; einige inhalt- 
lich weniger bedeutsame und originelle Theile wollen 
wir, wie oben bereits gesagt, noch im Anhang be- 
handeln (s. S. 53ff.). Doch dtirfen wir von dem Frank- 
furter Codex, dem wir die Bekanntschaft des Werkes 
verdanken, nicht scheiden, ohne zuvor noch einiger 
ausserst interessanter kleinerer Stiicke gedacht zu baben, 
welche, obwohl nicht dazu gehorig, der aethiopische 
Besitzer des Buches mit ilim in Einem Band vereinigt 
hat. Wir hatten oben gesehen, dass der Uebersetzer 
ein Bischof war; und damit stimmt denn auch der 
Charakter jener Stiicke aufs Beste. 

Vorn sind vier Pergamentblatter , welche drei Ge- 
bete enthalten: ein kurzes metrisches und ein kurzes 
prosaisches an Ohristus, und eine langere Anrufung an 
die Maria. Sammtliche drei Stiicke sind fur unseren 
Geschmack zwar befremdlich, aber nichts desto weniger 
sehr charakteristisch und in ihrer Weise geschickt ab- 
gefasst; besonders die Anrufung an die Maria. Diese 
letztere ist eine Probe der bei den Aetliiopen sehr be- 
liebten literarischen Kustgattung des <w>Aft?i J d. h. 
„Bildniss": es sind dies langere Compositionen, in wel- 
chen der Korper des angerufenen Heiligen gliedweise 
durcligegangen und jedes Glied symbolisch und alle- 
gorisch behandelt wird. Eine grammatisch sehr inter- 
essante Partie dieses <»>£vfth « werden wir im Anhange 
excerpieren (s. S. 5 If.). 

Noch bedcutsamer sind aber die zehn Pergament- 
blatter, welche dem Codex hinten angeheftet sind; sie 



30 

enthalten eine aethiopische Uebetserzung des Glaubens- 
bekenntnisses des Jacob Baradaeus, von einem Geor- 
gius angefertigt, vielleicht der im XV. Jahrh. lebende 
Verfasser des <n»jfrfi£i 9°hauC* des „Buches des Geheim- 
nisses", ein umfangreiches dogmatisches Werk, in wel- 
chem 27 Ketzereien erortert und widerlegt werden 
(Dillm. lex. proll. IX). Dieses Glaubensbekenntniss 
ware wohl einer Veroffentlichung werth, da es offen- 
bar von einem geistvollen und begeisterten Menschen 
abgefasst ist, der aucb mit der Feder wohl umzugehen 
verstand, und da es ganz den Stempel einer Zeit be- 
deutender religioser Arbeit und gewaltigen religiosen 
Ringens tragt; gewiss ist es ein nicht zu verachtender 
Beitrag zu der so wenig genau bekannten Dogmen- 
geschichte der orientalischen Sonderkirchen. 



ANHANG. 



Uebersicht der Guellen. 

bexti sententiarum receosiones Latinam Graecam Syriacas con- 
junetim exhibuit Joannes Gildemeister Bonn 1873. 

Diogenes Laertius rcspi {iuov So-y^atov x,cd dcTCoqj^sYjxaxwv w 
ev 9iXotJo<pfa suSoxtjirifjCavTOV ed. Krause Lips. 1759. 

Joannes Stobaeus av^ToXoywv ed. Gaisford Lips. 1823, 

Maximus xepaXaia ^soXoYtxa tjtoi sxXoyat ex 8ia<popwv (3if3- 
Xfov twv ts xo&' Y)pia<; xai T(5v ^upa^ev in Migne Patrologia Graeca 
vol. XCI. 

Antonius \iikiaaoL Migne Patrol. Gr. vol. CXXXVI. 

Orelli opuscula Graecorum veterum sententiosa ac moralia 
Lips. 1819. 

Lagarde Analecta Syriaca Lips. 1858: pag. 2 — 31 Sextus- 
spruche; pag. 195 — 202 Pythagorasspriiche, iiber welche zu ver- 
gleichen der Aufsatz Gildemeisters im Hermes IV, 81 — 98. 

Hunain Ibn Ishak (s. S. 6.) ca. 860. ^LtJGLlj &A«,%Uf ;i >!^j 
in einern „leider unvollstandigen und etwas verbundenen Exemplar" 
in Miinchen (Aumer: die arabischen Handschriften der Bibliothek 
in Miinchen pag. 286). 

Mubassir Ibn Fatik, Arzt zu Alexandria ca. 1070. ^Ui^> oljtf" 
[vixjf ,j^L=2^ |*.Xif „nicht ohne Liicken" handschriftlieh in Leyden 
(Cat. codd. orient, bibl . Lugd. Bat. Ill, 342 No. MCCCCLXXXVII): 
gerade die Stucke von Sokrates, Plato und Diogenes fehlen. Eine 
lateinische Uebersetzung des Werkes ist „in cinem fabelhaft elenden 



32 

Abdrucke" bekannt gemacht von Salvatore de Renzi* Collectio Sa- 
lernitana III, 69 — 150 Neapel 1854; dies Smfek will von Johannes 
von Procida aus dem Griechischen iibertragen sein, stammt aber, 
wie Gildemeister Jahrb. fiir rom. u. engl. Lit. XII, 2, pag. 236 — 
239) schlagend nacbgewiesen hat, aus einer schlechten spanischen 
Uebersetzung von Mubassirs Werk. Einzelnes theilt franzosisch rait: 
Sanguinetti im Journal Asiatique Cinquieme serie III, 230 if., IV, 
177 if. V, 401 ff. VI, 129 ff. VIII, 176 ff. 316 ff.: Extraits de 
l'ouvrage d'Ibn Abi Usajbijah, welcher den Mubassir stark benutzt 
hat und haufig citirt. 

Sams ad- din Muhammad as-Sahrazurx: *&'y->j -p-tyi^l *UOjj 
_L\^| ist Umarbeitung und theilweise Erweiterung des vorigen 
Buches Mubassirs; ein „nicht besonders gut ge&chriebener" Codex 
ist gleichfalls in Leyden (Cat. Ill, 343 No. MCCCCLXXXVIII). 
Die Bekanntschaft dieser drei noch nicht veroffentlichten Werke ver- 
dankeich Prof. Gildemeisters handschriftlichen Auszugen, welche der- 
selbe mir zur freien Benutzung anvertraute: ihm verdanke ich iiber- 
haupt die Angabe sammtlicher in dieser Uebersicht aufgefiihrter 
Quellen. 

Abu -1-Fath- Muhammad as - Sahrastani : J>sUL JJ^Jf (oLa5" 
ed. William Cureton. London 1842 u. 1846, iibersetzt von Th. 
Haarbmcker. Halle 1850 u. 1851. 

Tausend und Eine Nacht fur die Sp ruche Haikars: Karschunische 
Papierhandschrift der herzogl. Bibliothek zu Gotha No. 589 fol. 
47 — 64 (die Spriicbe fol. 49 u. 50). Den Codex erhielt ich durch 
Prof. Gildemeisters Vermittelung und konnte ihn an Ort und Stelle 
noch einmal einsehen. Das Stuck fiihrt die Ueberschrift: y> m «^ 

sr| , ^ , r ^x i]jXM j.^i^ ^SiUlJ© avV*"M® CT.2.±£>oL —ULmO ffi V^-v 

tPi^DSl ^rnja "ISO A choice of pearls ed. Rev. B. Ascher 
London 1859. pref. XX — XXIII ein ausfiihrliches Verzeichniss wei- 
terer hierhergehoriger hebraischer Werke. 



33 
Text zu # n^tU'-hM-ptlK'-m^'^^Ai^imA 

£* h&U- 2 > H£Atf* 3 * h9°Z.h » (lfc*lA i mcw-PdA 4 1 tfiJM"* 
# 'I? * US*®* « aiTM : iuA.4*f] Ad ■ H JtfflA > fcrt JMLh 5 « 
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>1^ i 0°AA.i* ■ itik.p'ft A * hA ■ £*AMiP « mfcA?^ « A*$ 
Ah '^'"'Tf *7f s toll A.0 6 .- flflfc?" «■ ifc A*» •■ K-fl-H^ i W'ft AdA 7 * 

->A A A * (IMizhv- i tv&Apvs * A Mth » ^*A « i*> VP - *d*a?i 

i fehlt T * fehlt T 3 T n?>W"}>h i 4 T a>n* D< PdA * 
5 T nft&lh' 6 F OHIM' r T JWIH-T : tfofl Ad^ i 
8 T ip?£ s 

Text zu s 14: -HHJA « tm&Kh * mfl«-fl » Amfl/fl •- Sa » 
"VJW 1 ! fc?H > JK-hflH^ 2 : a;fci-f : fl»J&n,A- 1 *rnfl/fl * aa^ 
<B * n<Mtf-li a 1 a>£fl»A» 4 • KWfo ■ M 5 ■ flA-lrthf « M ■ « 
A*Vv » 9°AA ■ A-nh s -ntt-^l - fl»m(lO'} 6 l ©H^+JMi- * JiSPfc 
A- * hrtVlC i 9° A A»«* - fl»JR'7* V7<J3: « fDft^'H < A£*Ji -" ?i£fl?l> > 

o*ha>*t>h » -aiki-I" » ^JMiW : fawn-in- 7 ■ cu^n. » in* • pa. 

? A ■ V Aid- » fl»^-fl^TVL » J&^X" ■ tf> Afc^TVl « J&^l/C * a>h 
f-Am-j : j&WMl *a>KCtl<n<n A.A * £ha>-j « tiFQ •- ©AfrAI V 
Ay-*J&^AA^■a>UC^A^fl>/* , }^sfl»ACC:CP■A'^H,3flC!fl»*)C 

■tap- A : jz. vfMi s id w* s £"XUr: j fl»^a»-ft» a « £ A-flh 9 * awiT, 

AY. ° « ^(1 AC I <DH^4»J^Vh i h9°h A- ■ WA-tf»- ■ jRH W ■ ?°A A,f * 

1 t a><7Dfth s rtifl^-n i -l,n * mO/fl* 2 F u. t XAtf»* 
^V » 3 F hmn.-n ■ n/h^"^ J ?iC5r- - Wtor * AdA * HA 

^*B ■ O/h-fc-l'll : T verdient unbedingt den Vorzug. 4 F (B 



34 
£fl,A- ■ tti?"Z » ft hi ■ fehit f « f -nift*? « mtUM • 

<B0D'lf»2 )k '} s 7 F fcjP-inU- ■ 8 Diese Worte Wh&A 
7-5.TA » £"XftA • (so F und T) sind dunkel. Der Ei- 
. genname fehlt in Dillmanns Verzeichniss: dem Zusammenhang 
nach muss es durchaus ein griechischer Philosopb sein; welcher 
gemeint ist, lasst sich freilich nicht ermitteln. 9 <D&0*«A» 
ft • J&A-flh : fehlt T 10 T fDOr% A : aoj^/"'^ ' n TA 

Ausfuhrung zu S. 151in. 6: J^y^-T* Es handelt sich hier 
urn Einen Spruch, welchen F 38 b dem Sokrates, T 20b dem J^JP 
4*<5«T S beilegt. Nach dem bekannten textkritisehen Kanon ver- 
dient die letztere Lesart, als die ungewohnlichere, den Vorzug. Der 
Spruch selbst lautet: HjF'VlCtfo- : iMR'P'i •* $VT- A «" y^T* I 

<OHlt'MA4 , !AdA-">7-/*'!yU7 ,, A-Ch^« »Wer die Gerech- 
ten verachtet, verdirbt seinen Glauben, wer aber den Konig verlacht, 
terdirbt sein Leben." In griechischen Quellen habe ich den Spruch 

v 

Dicht finden konnen; dagegen hat ihn Sahrastam in etwas erwei- 
terter Form unter den Spriichen des Hermes (j****^) pag. Pr^P: 
■ .L.,n.,A-^, J I f»U-2'f &Ujb oii3tLw.j ^.\ JUsIaAJ j^Aaaj ^F J Li'* 

i_&iaju*f ^-"j &aj^ ^^^ cX-w.it ^-UijiJlj i-ff.^uj ^-e^ euicxc 

c xJ'«yX) *U-La cVw.it ^jLis.^Lj 

Text zu S. 16 — 19: nft^MHjitf rh,C:^ha- fl^TH* 
"/U A : flJ AdA,U« • ^lo-fi A** » m^J^/b^V ■ ? W> * « n/Jt h,-t •• 

IUn * H-K7<- ■ fl'fc s A A - a§ 3 h9°bV ^ ■ nfoP")*/ " ftl A-* I *» 

(1°%?? • ] 6 at^h-t » ^ft-t-^^hx i ft Ann -■ ffl-Tha.?- • An-v * a 
n.-n 7 » fl»it*ru- -■ A°7hr c i <»j&h-fc * -ncy > -■ ^^/"^ * mao^ 



35 

Ti? *"^ ■ ?J* • «»Ji£ ■ 7J* 9 ■ HJ&* "7AA • OJiCKF « cDflS^V* 
tf»0H l fl> AH-fcA • ?>* i II MTOMi • ^Kfl>-^ i ©n A-nh 10 * f-o 
4»**k ! <D£fc-fc » ^*rt9°C « A(Wft * a»fr?H.Jt-fl<fbC « A0-A * ft*I 
tf>h • X« i Aft-9 * AittfJW* * a>K9°t - hh9°ai •■ flfrflirf * 
a>h9°} » «7*lf£ i nfr?U£ * fl><»Ahh > MH.JWMi,C » JfcWA- » 
-T-4-4^ « K'JI'A * 3iP°h«» * Jtffl-nh « cd-A*;* * ^h«fthh * Afl- 
? i 05.11 • An-7h ■ a^^'* i mfljz.'Ui * mphirtW • AA*h * 
(DfhX i «?dHh ■ ©;!•<: W ■ Ah u » P Ah » <d*«*CA » Ah 8 tf-A- 1 

<*A.fc i h9°h<L * 6&Oh i ffllWT "» ?°AA 13 - A&3* » nar^ 1 *: 

£■<*! : *d«}gi i A-n?i « ^ip-h^i fflH-t ■ ! tr%M* h9°nia ■ iDtm 
-nfr » flB^Jty- » K^tf-A*? » M/p* : ^a-H^ * ©'i.c* • j&fc-t » at 

«rfr* * ^»A 15 1 a»AA.y s M ^.rfH * Ah s riA, A.^ • h<w» ■ «»^ A^ ■ 
fl»^ ■ ^^-ih.H'M * Ah • flflWl-f* i £?* 16 * fl»W A- 1 9°ft &h » <» A. 

n,h * (Dannnai'L • nfMru^hi ■ Hup-mi ■ <:£-k ; i- • »w ■ £K 
-t ■ Ad a i wp+ « f^hJiTf i (ovr- a ■ iD^Ahh • H^Af ■ fl^n • 

h = Ah « flA^^v * ?h a j rM-<w& .- fl-t i ns^A- i¥?ft • friroh j 

fl»^-4 A A: Ah i i-«i>*^ * #hH?h 1 0M ■ ?4iii^h ■ © Ah.fl^hh 18 » 
^X.fl*'} s Xflo : SP->^n»h i tDfr^ JbHTI • Ah « IKh'eC^h • fl'Vd 
C >h • flH-h*°9 1 OW-A- « ^-OCh i fl>^A+^ A*P " AdA-f • ¥/" 
^ih * a> j&K-f: * ^h^i : am * 7*P^ « ^-flXA.^ -■ ue^i- -■ <w>^(L 
rnn.-fl -• i»owH.*JaH^ .- ip?£ « ^h-t^KPO^i- * fypO * A.O 



36 

hi: *5nn.-> • ^ny^y. « h^h-Iic * ^h± •• *»AnA i km * hv-x- 

4--fcV •■ AdA,h » fflfcu-'jev 1 ' - Ah » ft^MiA ft* * ft?"2;h * >IU» 

&a+ s oils 19 ! ^lih^: •* wf s wMfl) •■ ¥*<: •• {dw<zV° - a 

%% » £ft-fc * (DODMnah% i *w>A-HV*Vh« 21 * £ft"fc * 0»-f*a»-flill = 

C* ■ J&ft-fc* 2 « ^'A-hC/^i ■ AH ■ +Hcd^ .■ «dah ' Wte • 9°h A// « 

•f^-rift » ^Am^-ty 23 •■ ©ft.**^* •• nit? « o> Any, » ^-*cn -• 

-t^C-a -' Aft<*»Vi * hC &P i ft.*->«00i* ■■ «» Aflfc * -Thft.m-'J * p 
a>f»hh : mAflfc : WWd* ■ KMa>*C ■■ <»^ni»-?k > Ah ■■ ;*■ A+ « 

^hhmf h 24 - ay A.-n<»h » ah •• n-t • n*p-*4,^ * at-a*, « oi;j*a, a a » 

hy°ih » £>A » Vfff-c •■ ffl^h Ahh s 7 A.£ : 'Vm.h-Th -■ a>ftAA -■ <»* 
-lTAfflh i Atf-A"? « <*>*PiWUi : mtfoft-jfliy. s ihhfl»-Vh ■ h<*> • + 
HA^F^h 5 ©ft^-n^h : *7-n^ « nK-l'to a ■ mft^ftfo-ih • 
•7-fl^ * ai^fl" •' a»^"AA A » ft?°fch • J-4-* ."tV-Atf* ' wptiVb- 
AAVh » K^d&Kp^ 1 -M A<P ■■ fl>X" W« '• %U*?*t ' -AIM * *»> 

* wh : n-fc -■ hrfrhn* * -fiH-^-Th .■ <d«-m-> 25 «■ <»*«> A-M-nft « 

^ . .j.«?»f jft , £fc-fc .■ fl>ftA*Aft* « C/h-^"> ■ o»^4j^7 26 • JK. 

h-t ■ ^^h-n • a-i: j n^'i-j' s HhT^ « (o^-nd a •• ?&rv ■■ h Aft 
^7h ■■ ?iA^ .■ npm-nti *- n &<l 21 ■• wzfo^ t .- ArA^'e^ : /i.^^ 

fl-fl : X^"}* ! "hha° ' J^AA ' ^J&A : An-9^^ • J&?i-t 28 : fl*^ 

£A* z*'^^ : j&K-fc ■ fl-fc ■ ^^h-fl : A-nK • "i-nt • An ^i-= 

AAA- 1 ? ■• m/^.-J^^^ i fl/*V « 

1 F ^fl»T7s a T 6AM '- die andere Schreibart A^A4-: 
ist vorzuziehen, da diese Form gewiss mit dem arabischen 



37 

^_i zusamnienhangt. So haben auch F und T an 
alien Sbrigen Stellen. 8 Tg 4 T ' W^O'hil'tP'tUb .' Oh 
ft-fr^" '• flPWI-fllM « m^tf & : T0-9° s 5 F 4»/"«n> 
;h! e fehlt T 7 T AflV ' AAQfll 9 <»0Ar " ONA-fc-f" « 1 
11C » !*"?£ s «D£M: * Tfl-n * 8 T ID^D^rh.'h « ' » T ID 
*}£ « ft-flrfri- s 10 F dMlMl ' xl fehlt T 12 fehlt F 13 T 
iflVJfl A « I4 T fl^PO i 15 T ID ff Xfr » ( fiir RJ^*^ ■ ? ) 
?&'. »TWH' "T^ff/^ai^i "T IDAJMUI 
■Wl* 19 Biese beiden Worte fehlen T 20 T IDifl.G1£ ! 21 F 
!*»<?£: * a fehlt T a3 fehlt T wt^tjJ,. as T ^y»^ 

WHXVH-s 26 T ID-feO* dann geandert in CDgCl?' 
2 ? fehlt T "fehlt T 

Anmerkungen zur Uebersetzung S. 16 — 19. 

1 zu S. 16. Ein sehr uberfliissiger Zusatz. von F, vermuth- 
lich eingeschoben, um auf eine ziemlich ungeschickte Weise 
dem Leser das tertium comparationis zwischen dem Buch und 
dem Salz klar zii machen. 

2 zu S. 16. Diese aueserst schwerfallige Construction des 
F wird von T vereinfacht zu: „Und es sind in ihm schone Tha- 
ten und es ist Weisheit und Verkundigung des Gelehrten" ; doch 
verdient F , als gleicbfalls einen guten Sinn gebend und sich 
ohne Zwang dem Zusammenhang einfiigend, den Vorzug: der 

Satz Hft4- : fl^'ft'fr;^ s "Mid. s «7tf*£ ' (»*fl£> * muss dann als 
eine das Vorhergehende begrlindende Parenthese aufgefasst wer- 

den, und h9°T(\tt"- Amfl«-fl : u. s. w. als direct an W^M** 
Afl"T s AAfl*E s sich anschliessend. 
3 zu S. 16. Nach T^Fuhrerin" 

4 zu S. 16. Nach T „und welche Herrlichkeit." 

5 zu S. 16. Nach F „m deinem Kleide"; die Worter fiir 

Kleid ArflA* und Herz A'fl* unterscheiden sich nur in Einem 
Buchstaben. 

6 zu S. 17. Nach T „ohne Ruhe" , d. h. rastlos; doch 
schcint zu dem Charakter des Ganzen besser zu passen, was 



38 

F bietet: »mit Ruhe" ; d. h. Da hast es in diesem Buche ganz 
bequem und in der nachsten Nahe, und brauchst nicht erst 
"weite Reisen und grosse Anstrengungen darum zu machen. 

7 zu S. 17. Nach T, „und deines Nicht -SchlaJ ens" , was 
eine ganz kahle und schaale Tautologie ist. F als einen recht 
guten Sinn gebend, verdient unbedingt den Vorzug, urn so mehr, 
als dieser Sinn gerade durch seine geschraubte oxymorische Aus- 
drucksweise sich an der vorliegenden Stelle doppelt empfieblt: 
, t Das Buch halt von dir fern die L'dnge deines Wachens und 
deines Schla/ens" , d. h. indera es dir den schlafraubenden Kum- 
mer verscheucht, die Lange deines Wachens, and indem es dich 
zu ernstem Streben anspornt, die Lange deines Schlafens. 

8 zu S. 17. Diese sonderbare Ansdrucksweise lag dem Aethio- 
pen deshalb naher, weil sein Wort fur „Buch" tf^RVM* 8 
ein Femininum ist. Er kann daher eher sagent Das Buch ist 
gegen dich sanft und liebevoll wie ein zartliches Weib, und 
nicht herrisch und rauh, wie ein gestrenger Vormund. 

9 zu S. 18. Diese Worte sind sehr auffallend und scheinen 
corrupt j denn dem Zusammenhang nach sollte man gerade das 
Gegentbeil erwarten. Wenn die Lesart des F richtig ist, so 
konnte allenfalls gedeutet werden entweder durch "Vfl Ji * in 
dem Sinn nicht von absconders, sondern von recondere, was 
wir durch die Uebersetzung „bergen" andeuten wollten; diese 
Bedeutung ist aber fur *T|-flJK 5 nicht zu belegen. Oder man 
musste idC'V°illi' hier fassen in dem gar nicht seltenen Sinn 
von ouvotxelv Ttvt von ehelicher Gemeinschaft: wer mit dem 
Buch, welches dem Aethiopen ein Femininum ist, eine Ehe ein- 
geht, der kann ihm getrost anvertrauen, was er auf dem Her- 
zen hat, da es nicht, wie ein irdisches Weib, diese hauslichen 
Geheimnisse ausplaudert, sondern sie bei sich behalt. Diese 
Deutung hat etwas Bestechendes, passt aber nicht zu dem un- 
mittelbar Folgenden: } ,und wird nicht fertig mit Verkiindigung"; 

auch musste man dann 'J"Vfl?i!jFftfn.^"fclJ«! erwarten. Wir 
werden also docb wohl eine Corruptel statuieren mussen und 
bei dem Aethiopen einen Uebersetzungsfehler annehmen. Und 
da liegt die Yermuthung sehr nahe, dass in dem arabischen 
Original etwa stand bfc»L*vt ^isBOi: bei der augenschein- 



39 

lich sehr spaten Entstehungszeit des Werkes ware eine derartige 
incorrecte Ausdrucksweise nicht unmoglich. Nun kann is*^ 
je nach der Construction entweder „verbergen" oder „offen- 
baren" heissen, in welch letzterem Falle in der Regel die vierte 
Form mit ^£ der Person steht, nach Freytag aber auch die 
erste Form mit dem Accusativ der Sache. Der Aethiope, der 
jedenfalls einen unpunctierten Text vor sich hatte, las die obi- 

gen Worte nun wahrscheinlich udJwa,( .-S*XJLs und iibersetzte 

ganz banausisch 'f"* 1 i'fl2V * 9 lW\,6*'fcY * was jene Consonanten 
zwar heissen konnen, hier aber dem Sinne nach ganss unmog- 
lich ist: solche unbegreiflich gedankenlosen Uebertragangen sind 
bei orientaliscben Uebersetzern nicht ganz selten. Uebrigens 
mochte hier der Umstand den Irrthum unterstiitzen , dass nach- 
her in dem Buch das Bei-sich-behalten von anvertrauten Ge- 
heimnissen "^fl«ft s 9°f|tfn,Gs eine grosse Rolle spielt und oft- 
mals dringend empfohlen wird als eine der ersten Tugenden. 
Nehmen wir also an, der Verfasser des arabischen Originals 

babe geschrieben L-PvL—w! ^-^..^X-X-i und damit sagen 

wollen, was sonst gewohnlich heisst UoJwwf 8J& ^^a^ULs 
oder noch einfacher, er habe die erste Form gemeint und 

gelesen baben wollen \$>yy*A ^A^Vxi nach jener von Freytag 
angefuhrten Construction, so gabe dies den Sinn: „dem of en- 
hart es seine Geheimnisse und wird nicht fertig mit Verkundi- 
ffung." Dies passt in den ganzen Zusammenhang aufs Beste, 
ja wird geradezu gefordert, und der Anstoss, den der vorlie- 
gende Text bietet, scheint sich so erklaren zu lassen. 

10 zu S. 18. Nach F; dies war auch gewiss urspriinglich 
von T beabsichtigt durch sein CD^CTM spater corrigierte er 
das Wortmonstrum ffl*t$G(iTt* herans, mit dem er offenbar 
fl^tflTM gemeint hat. Dies ware in der Verbindung mit 
Crh-^**}: sehr bequem, ist aber eben deshalb weniger wahr- 
scheinlich; denn dass in F $Ws*Z*'3'* fur «jf»<.IT> s sollte ver- 
schrieben sein, ist nicht anzunehmen. Auch giebt diese Lesart 
einen durchaus guten Sinn, der zu der etwas charlatanmassi- 
gen Selbstanpreisung unsrer Vorrede ganz wohl passt: Dieses 



40 

Buch verbindet ferae Freunde geistig, wenn sie gemeinscbaft- 

lich darin studieren. 

Text zu S. 19 — 21: den arabischen beigefugten Text wollen 
wir als Probe einer derartigen Karschuniscben Handschrift in ge- 
treuer Copie geben mit Beibebaltung aller auffallenden Schreibwei- 
sen wie namentlich die regellose Setzung des Teschdid und der 
Vocalzeichen: auch Soloecismen sind nicht geandert; der Codex 
ist offenbar aus dem Arabischen iibergeschrieben, aber stark mit 
Syriasmen versetzt: 

i. HrMW '• bduPC ■ <nM ' £fl> - tild • to A#e : at±n 

&v ■ An • ^rtrd * }?£ >'4Qfc » fl A-nh ■ n^Mi/** ! AhAMi » 

JlflD : h/tXtt • h<h<h<n> : <D -f-0-i), : AA>h : 0^-flWih ■" A 44» » 
a4&Afh>XrArAifl-M> V7H.JHIA.C « 

■.* .So ..n j-s'l© w ^' ^sZ.jo *»io]Lb ^iflj»j ^ti£2 V* •••^4-c 

flo .j,.T) N O ^--3 Zo-ioi. (sic) jcii^J OlSlNj iU*LO.ie .| ^a1» ^» 

^s-U-«Zo y - jfra , ^ wX>j^Z.o ^ni-fctt^, H^ ^■'-^ '"* tr*^-^ J^^a.^ 
^i£)o 01 S V «^£> |>iOlo ••■ fo.,%. jHmnZo \>Q.\]Jj ^-m--! ^-3 

1 d - h - i^t;* 
2. ©AJte i iw>\ : ^*Ah > ro^dHh ■ hA*"> t MAAAHii** 
MM- ■' Ah A-n » j&iMi » *Wi A* ■ m tf»?h frVL s if -a m t > n Afta? k 

wJ-^sJI.v-^^ (|J^) ^J?^ ^0-30 (sic) ^© „_a^ ^XZi \s 

1 Diese Worte sind aus Sahrastani r*o und ♦**♦*♦, wo sie 
dem (j*w.Ai©l*JU->^ zugescbrieben werden. 



41 



>A?2lA^ ,0£L. 



h9°to • hR"l • f dx}K * i fl,* ■ A A •' tf- A* • * A* « 

olaj >}.ia.u^s ^.s jL*s ^la* ^V-J^. (sic) v_^o^-is . \Jj o.^. 

i fehlt T 

5. fl»A^f:^<:-^?in'}-9 o AA-'fl?iA.!rtin«'n'fl»A-fl«»- 1 - 

1 T %& i -nhA. » •OXrt. « fllfl/fl • a So F, wahrend T immer 
die jiingere Schreibart A*J"J& : tat. Ueberhaupt zeigt F fast 
durchgangig die altere Form, den dritten Vocal vor nachfolgen- 

dem Jaman beizubehalten: z. B. h+Pdtl$ mtt0m * 17 b, wofiir 
T7a ^^flhP-tf^s hat und viele ahnliche Falle. Sogar den 
Pluralis der auf ^J s ausgehenden Nomina bildet F regelmassig 

^*>: und «e^s z. B. AQ^JP?* 22 a; bei anderen auf i 
ausgehenden Wortern ist die Form mit dem sechsten Vocal die 

gewohnlichere, doch findet sich auch O^t^jfJ^ 13 b, IDyfl, 

ft: 113a, fcViW}! 138b und 155a, O^Wis 179b 

und ^jhtl^f?^: 203 b. Vgl. Henoch 7, 1 die Variante und 

Dillm. fol. 954 AilMl » 044?^? ■ 

6. <d a#p ■ h9° "i* ■ ua- ■ frffc? > flfciih ■ h.£- • rh • at 

X. Ai » OT -f- 1 AM*h ■ fl> A£«fe# > &*fe£h « 

•-. ^a-A "V ^>-^. (TL.S vAA^£>i «-^£> f^H* ^ ^^i V s0 ^^ i* 

-,+j-L^ also (sic) ^ald^ ^a»^i Vai.jo 
7 aiA.ft'f ■ fldA s hhao s flA0 : h£A, > Jt-flA^ • f -V 



42 

«-JU3 w»pJ^ (sic) ja^»o.,C-# ^*omSn ^.j jcn.^^^ ]>)<s •-. ml.ha ^,» 

8. id A£r? ■ Afl * £0JMi « ^Ml ■ Hf -MC ■ Kritl » <»£>3. ■ 
■M , flAr»fl*W , » 

LjI giN^o\j»i •-. ^xui (sic) * ^_o%«. 5 ^ Vi r>La>] h) oio ^» 

1 Soil naturlich heissen: J.3>! t>^) • 

• « WW 

10. 0) AJ^e » A^dCd a HO.*"* i A<»A£-h ■■ 2kA«° : -f*«7«v 

Kh ■ ami ■ j&hm-f i ip«re ■ flh<*> > pvt?* * ttfro s WJtci 

AV>A A » h^O- « <D AJWt » ^ip-X" » fh't&r'Ax ! hfl'U- a 

•♦. s.sfrn*V ^-c^X.c qua* cm V 

1 f a>ni2 • 

11. fliA^f'MH = A<»A^ , hsMH.'7h.ftsfl>-X*sh<w*^ 

£ Atf* > mfcjHi a 1 > Mfcu- * ffl-M$C * Jtf°1«K. > t^-ftl* 2 « 



43 

1 T mdfr * VhOf : CD fc<n> : AU+ 1 M'*l A * 2 T m*?* s 
«DMv3h« 

12. ftjp s i*»?£ •■ £-fc£fl • fty> - hCh? * i*"7£ » fcfttf" 1 * 
tl9° * i*?£ • £T£A- ■ fcflh ■ A'JA? 11 ■ mhChftk ' flw»Atlfc« i*» 

1 Dieser ganze Anfang fehlt T 

13. <DA£-e > JZ.'V.J&Jl i £">.d • OMC ■ ?tf°> s JML* : HA 
47 * (Dh+pahfth • \1L ' h9°MA\ ' htlh ■ M-ffllC" i^ftA 1 * 

w^j-sl P(°) ^^-^Umaj jJixj |^we j-y=» »iLl&.jJ wX*j ^lo ^* 

1 fehlt F 2 Aus Sahrastani entlebnt, wo von ^J^y* erzahlt 

wird: pag. PlA itf *£*j id Jlfti %£& ^>^ i^l)- Za ver- 
gleichen Maximus 940: 2<oxpaT7)£. Kpelrrov etvai to tcoo! 
oXta$a£vew -J] Tfl yXwafffjc. 

14. 0AXrf i AK<*>*'i'<>*>&£n* d*-&t* 1fr 1 *gytd>ihtmii 
i&tia»-'} 9 ih-flA'>inM ss 

fc-i-4^* ••.?|-^ ^■■^ ^-3 «-S£U iiO^ (Sic) ^j) v^l» V* 

•■..atQua*«2u© .aii0au&» s.nsfi«,pjo ^>cn^^-& ••.^m^ ^ .a 

1 fehlt T 2 F A.J&llID'? s 3 Gerneint sein muss ^^A^ ; 
die Schreibung fl,',^ 1st nach Prof. Gildemeisters scharfsinniger 
BemerkuDg em stringenter Beweis, dass der Codex aus dem 
Arabischen ubergeschrieben ist. 



44 

•..^_s r i^N ,-io ^J|jft^ *4=41 >a.A.a*. ^a^Z. <) Lr>\ ^ v-*l=> ^ 
1 Diese beiden Worte fehlen bei F und T 

Text zu s. 22. i. h9 o nOtiii< t \'mfk(\ m ?>(Ul(D&g:?* 

J} :s Aenlich lateinisch 283: optimum quidem est, non peccare, 
peccantem vero agnoscere quam ignorare melius est, und so syrisch: 

vjtnoiAp^ ^en ,-io v^a£ .01314** ft- ^-J **J?> ??on «^cri {^a* 
■ V-jl.»-3 ?J **-j| '^'r 3 ? V°f| i? 01 rr-*? >o r X)ab* -pag. 11, 3 Lag. 

.21, 2 jaC^? fso«o . jZa^.o fc*5>o'j Dagegen stimmt es ziemlich 
wortlich mit d em syrischen Pythagorasspruch: .^4**Jv«j} fl? ]"P<* -j*^ 

.199, 2 *t&£> |oena> ]3o 14*»j ^,J ?©<nJ> ct\ i? r ^ *^_i» ^U* _♦? .] 
Mit einem anderen Schluss unter den Pythagorassprilchen der 
SUey 17 v: Lk_i*f ^ t5 _k_iA-j $ ^f ^Lu^l c j^*^f U 

t>«ljtJ und wortlich so Mubassir bei Sanguinetti V, 8, 193 No. 29. 

1 T A,^ft1-^4»AA! (sic) aJ/t^f-ft-t^AA* 2 DieUeber- 
setzung: }) halte es nicht fur einen (blossen, sohvldlosen) Irr- 
thum von dir" giebt zwar einen durchaus befriedigenden Sinn; 
doch nach der lateinischen und ersten syrischen Sextusversion 

und nach dem syrischen Pythagoras scheint A^'ft'f'/i'fl'H 3 

anders zu fassen zu sein, und zwar: „stelle dich nicht dumm, 
thue nicht unwissend und unschuldig." Und diese Bedeutung 
scheint sich auch sprachlich begrunden zu lassen. Da namlich 
„das Causativum der Reflexiva oft nur ausdriickt: das ausiiben, 
was das Refiexivuin hesagt" (Dillm. §. 83 , 1), so konnen wir 



45 

wohl auf den Stamm III, 2 zuriiekgehen und nach Analogic 
von -f-pfl)^! „sich blind stellen" (§.81, 2) ein 'frhfi&i „sich 
dumm stellen" annehmen und diese Bedeutung nach Obigem 
auch fur den Stamm IV, 2 postulieren und iibersetzen: „Mein 
Sohn, sundige nicht , und wenn du gesundigt hast, nimm's nickt 
leicht, und ignoriere es nicht" entsprechend dem lateinischen 
agnosccre quam ignorare melius est. Im Arabisehen ist fur 
diese Bedeutung die sechste Conjugation; ein instructives Bei- 
spiel, zufiillig von dem naraHchen Verbum, findet sich in der 

auia&. Hariris pag. \V ed. de Sacy: v+i \^a \jnXs>\ t>of jf 
d^&LsJU) *+£ 1^5*^5 JjfiL^- Riickert treffend: „die nicht sehen- 
den und die nicht sehen wollenden." Im Hebraischen ist es 
das Hithpa'el: z. B. bi-pbat "DSrrn Gen. 42, 7: „und er stellte 
sich fremd gegen sie." Uebrigens gehen auch im Arabisehen 
die sechste und zehnte Conjugation in der Bedeutung haufig in 
einander fiber. — NB. Die Einkleidung mit „Mein Sohn" findet 
sich auch bei dem Syrer zweimal : 2, 17 und 5, 2. 

2. A-n*pn» i Mh i ATfl-n ■ h-nc* i lri-fljHh • n-t ■ -mi » -t 

0*7'/* 1 '* hjFlt*'9*'fr* to ' ' AMI'S? » Lateinisch 285: magnam 
scito esse sapientiam per quam ferre potes ineruditorum inperitiam. 

Syriseh: ]J p^a^mm^ w.»».a*2 ^ .^ ^ai u \o<y\L \lsz\ ^; (Ai£La« 
«j(Ti ifcaa*.? ^ ^lahLL .21, 5 . ojj Uo;^ fy> ^iStj? . cen.\^ r .* 

.6, 5 Jl^ J^}? 

i T -J-^/*' .- Dahinter schieben F KhjR s und T MlP ' 

ein, welches als uberfliissiges und lastiges Flickwort getilgt 
worden ist. 

MlrfbC '• A"i=! ft-flffrf" K Dies ist fast wortlicb lateinisch 287: sapi- 
entum animae insatiabiles in amore dei— wie syriseh mit geringerVer- 
auderungt .21, 7 ?<n^ Jj^,, ^o ^s^t m tecb&y \£~>>V. fOOiLiiaJ 



46 

— und kann ganz wohl ubersetzt werden: Die Seelen der Weisen 
sind unersatllich im Dienste Gottes, ihm sei Preis." Nur der 
Singularis des Femininums ^ThR*7*fls ist ungewohnlich; man sollte 
eher A.JWT'fl 1 oder fcJ&OTlbi erwarten. F scheint hftK 
*7*fl * (so hatte er urspriinglich ; das Zeichen des sechsten Vocals am 
%. s ist ausradiert) als zweite Person des Masculinums und die 
letzten Worte, wie auch seine Interpunction zeigt, als besonde- 
ren Satz gefasst zu haben : „Sei uners'dttlich im Dienste Gottes", 
welcber seine Parallele fande in dem syrischen Spruche 31, 4: 

?ci^> qitiAvn^p ^ ^.ao ^o]l]o : das WfHHTao^s Afllfl«fl7 • 
steht dann freilich ganz herrenlos und verlassen da als eine Ruine 
der ursprunglichen Form des Spruches ; doch kommen derartige Ent- 
stellungen und Verstummelungen des Textes nicht selteffvor; im 
zweitnachsten Sprucb wird uns ein weiteres Beispiel begegnen. 
1 fehlt T 

'frWdr-th s Vf"A" * *7*flCh :: Dies ist wobl freie Umarbeitung von 
lateinisch 288: exordium a deo sume in agendo quae agis, was in 
die Beihenfolge passt und ungefahr den gleichen Sinn giebt. Aehnlich 

syrisch: .3, 5 ?<n-L. ?en~^3 ^_,*-J-j_^a^» .ocnJ^a-j ioj„.e> __io 
io t _iD Vjo .13, 25 r _ >( jVi 1> l^om \<tC^§ Vy-^ \ os^o-p $0^0 

m - ■ ■ 

18, 22 ^Lt^ io^xi iCLkj* }a<TLl jcv^s .lj\ r dL? und ein Pytha- 
gorasspruch der al_*3»* 17, v: <JL_*_i2n ^k jKxi o^mmjJ' ^^ 

*h»C s A0"A K Wenn wir hier mit T A/**Ph : lesen, so giebt 
der erste Theil dieses Satzes einen ganz guten Sinn: „Liebe nicht 
dein Fleisch^ sondern deine Seele Ci , wofur Paralleien bieten Anto- 
nius 952: av^pwrcoic ap[x65iov ^ U X^ P-^XXov ^ CQU,aTO£ Xo^ov 
7T0L£iC^ai und der Syrer 13, 30 — 14, 1: |j__s? orn }2w» SOfiO^o 
:\ttoh cC» r a^ w.j ^ .Xu.il ?'• a *>er was fangen wir nachher 
mit h?°£"'tesh < 7H.JW1rh»Gs AO-A* an? Dieses „nach Gott" 



47 



post deum pietd ^sbv ]<n^ ihs> ■ ^p ist ein Lieblingsausdruck des 
Sextus; er findet sich z. B- 129, 176, 210, 244, 309, 319, 439: 
hier aher will es gar nicht recht passen. Der lateinische Text giebt 
uns Aufschlass: wir haben in dera Aethiopischen eine durchaus un- 
geschickte und verstiimmelnde Verschmelzung von 291 und 292. 

291: carnem noli amare ist wortlich ¥t.$*Qty& ' hf? s nach der 
Lesart des F; 292 lautet: animam bonam dilige post deum, und mag 

aethiopisch etwa Sbersetzt gewesen sein: h^^£- i M^il s W l t^>'l'' 
h9°K^^ : V7lL?Wlrh»G !S Dieses wurde vielleicht zuerst durch 
f\i[ : mit dem Vorhergehenden zu Einem Satze zusammengeschweisst 
und nachher weiter corrumpiert, bis zuletzt aus dem ersten Theil 

ein ganz^jieuer Satz wurde und nur noch die Worte AJP*£"V<£ ' ft*7 
H^tvflihtC* A0"A : eine Spur des Urspriinglichen zeigen. 

6. 0O<£%S^ i Amfl*-n » -t?£Ar"i* * l£ A : wW* a Dies 

findet sich weder lateinisch noch syrisch und ist offenbar gebildet 

aus I Timoth. 6, 12: -fVJ£ A ' l**9f -* ?£' A ' und II Timoth. 4, 7: 
0**1$ • 7<£"A : 'I'/^AYh s wie derartige Anspielungen auf Bibel- 
worte auch im lateinischen und syrischen Sextus vorkommen, z. B. 336; 
ministrare aliis melius est, quam ministrari ab aliis verglichen mit 
Matth. 20, 28 und ahnlicbe Falle. 

Text zu S. 23. ©*?!> * Hfr4» : J^A- • hhRACN « H£fl» ' "h 

<">& ' fo> s -nhfl. » 1H, & »Wl A « ffl^A.«» 'fcC W : ?ift<w» » J&Ihd*? •• 

mfl£1.0« » AiP-^-f- •■ i»A?fc^ ■ fcV «■ £<k$ • MA - OMK-IJ ■ iff -- 

IP*?P K Zugleich ein interessantes Beispiel, welche Freiheit das 
Aethiopiscbe in der Concordanz von Genus und Numerus hat. 

Text zu S. 23. j&fl, : hCtl<n«lA.l\ • Mlfc ■ A?9£ ■ A&"»* 

p-diH : Atfa^m^ s ?i A •' £ <LCV9>a»- : *>X-'h'> » 

!Hier schiebt F D 1}'}: und T 'htwfyi ein. 
Text zu S. 24—25. £0, : fy&h » Oft AP"A : AA-flft = tf fl » 



48 
1M s UtA? a Oihdfl •• ^AfcA? 1 : 0>£fl, AS" s 9°?**- 8 tH-M* a 

A-flA •■ tioon « i»-h* » Ah<"> • £Af ■ w-A- 1 a-fih : hft«^> • h9° 

©frA.* : A-fl I flh<w» * ATflfl -"H7* "J A?° > KfrMG 1 • AHh '• 

nhiiui » itf-a^K > h'wtb •■ *a*v s A-n » AKtf° s <tte ' -fl 

£fl» ■ ^OCMfe » -fMU4q ' ?tA»» i MH. JMIA.C ! AO- A * <d*1 
ft*CsjZ-<«.*J^!>i9 W-A-8A'fl?i8 5 < 7'n^ * Hfl>«X#<n»- ■■ }%h*?9° 
«J>^ « a>yp,a?<?fy •■ c^d^ ' h9°<P'iim ■ A-n •■ <»K*J^4» - ^ A •- toj 

Kdi ■ r? « (ohm > j&n. * fca>A£ * **jr 8 a.^^^.^^ •• a-a 

AA 8 a>Jrf"i-li-if : n?&*> i hjrfom * Afc?* 8 ^-fl ■ fl>A/H* 
£"/ A : Ah?* 8 #>n I &A*» « Afl>C* 8 £&*-}?> » AM* 8 i»A 
I'dCL • *%C i J&^TP 1 ■ A tfrTA ! a> Jtf+A ■ A.4-4M1 " H*«C 

*£■ ■ w^n a i fl-Y -w i h* £* 8 iD^^nx- a 8 h^ac 8 h&? a a 8 
M-oir 8 if ^x Ah i ^u h, : n^^^j 8 -Hi aj ao*o 8 udm • *i 

6 A»h 8 V7H, Ji'flrfuC 8 (DP>aoQ : OH » i*> j^ » Ah 8 V?lUh-fl<h.C « 

Text zu S. 25 und 26. OThrfrf** AA r l*8£f»ft'Jii*yn>i>8 (sc. Aft 

foS-T 1 ') nV 8 MH s jMh"?©* : 0Jif 8 /^a 8 &£*<?*! I £ 

fl,rt« S-J7./M . ya^y. j hAfcft : ^^K^ftJ I A»J&n,A" sfcA*"»s 
a MlC'fin>?$a>'U»- : fl^ : fofrOi't- 8 AIT-/** I £fl»A- rTJVs 

AOA 8 00 Jthli > ^fl»> • h 9°(\%& Vh 8 /> A> : tnX^^A £?h ■ *¥ 

4f»j^ 8 -iin 8 ?°^^3i i cd^t^/^a 8 -iiAe * nh?* 8 aj&cd-i- : n-k • °k 

HA^A?" I «»£fl»A- ■ A4»^.T 8 AAA -■ ^h-flln- •■ H*J'I* •■ (Hfth -■ h9 a 
&IHD 8 Ah ■ a>h9°K?iM\ i tf»^4»^ 8 -vn ■ hAh I £n,A- ■ 1 



49 
TV* -• AKAfc* ^«*fth i £&*• -" A*^T:^£4f»£?A'-ttMi! 

Ji£ Ifl>fcA£P s It/* • 'ffli-'Tr * IDC* ■■ rnhMft -h 2 * l)(l-£.-f-i 
fl>fc AAA* « rl^^i^ «■ h9° J ■ ■S.np* I <»£fl, A- " A*<5»T : M A 
flMifc ■ ^?T-r * AH s ^m^h. » AJ&fli+ 1 mm ATh • fllf > .p^Jrti = 
*Pi- 1 JiAfl* • <w»¥4^ » Aft*^T * -\d ' hhm ' 0°£:tW*» 
Kfa'-'P't' -mot s H^£*0^-'fl»^$4^--AA4v2.'p W&ahi 
0°AA>lJ-»'M><ii£ I J&0.A" ' Thf 'MH'J&^fMirif 'P»AA.i>-> 
fflMtsf/IA i •J7-/*' i *A*^T ■ Ji^^ti « WAh * -F£"Ay ■ 
ASAi* i £0»A° : Afc^T » hhtn> s -WAiM 3 * fl>-?i* • I1A.0* 
/**,? » MAA ■ ©A^e* « ©M s <»?W0-AO > <»Afl.A « fl^K* « a> 
AJni* i ££-4«£ ■ *£-A i ^A?° -■ (HA » A*<5«T ■ h-flC^ I © 
HA » Jti^fC i n-fc ■■ £°Z A A • If flf » H£ltf»-? * tlCi** > «"»^fl 
£ ■ A&7AA i m?(\£C ■ rhfcfc ■ WOTA? ■ MMitfr « tfj&HlCi 
A^A?° « 

1 T schreibt, mit Anlebnung an das griechische So- 
XpaT7]Cj den Namen bisweilen A^£«T S ) doch ziehen wir die 
auch von Dillmann angenommene Schreibung A4*^-T s vor, 
als regelre c hte Lautvertretung der arabischen Namensform 
Uf . e ... • go hat auch F iiberall ohne Ausnahme. 2 Die- 
ser Pluralis pluralis fehlt bei Dillmann fol. 990. '-MA 
ffs hier zu fassen, wie g\ — 4 — X_s>f „vita socialis": „das 
menschliche Lelen" ; denn die Bedeutung „ Freundschaft 
schliessen" passt nicht recht zu hfl>*ftO : und Afl«A : * F 

A-fcP* 

Text zu S. 26— 28. £fl,i4hA.'llMlll-'0 D HlA > ft^Hl 

A1's$AATJi.i> o :aift<p0Jfi?' » f»fl>-?i*fc ! i-wfrm: <"»nA»Pl 
<Dfcn,A» '&GV- » *£2tf « A^A9° I tf'J&fl.Afc'h'JH * pML'W 
Ai* - a>3*<!i.Xr A * /*VH- ■ ffl^-'V A*£ * m> W a+I aftfl. A° » KC*1» * 



50 

^&K 9 Mh i £fl,*HdhA: je.*""- - flW-Vrfcs ^IMCH ©ft 

boo : ahfrp : A'CC : (1$?* I £0, ' &JW/' s dltt I 09°?^ > 

y&ao&.fa 2 * w+ 1 jaa ■ n-M.u 8 ha'Ja? i ©Mi a- « i/*^ i 

£(1» s-flAd • AW A • (DiiTnil • *W1 ■ lM.*£-h 3 1 oftd. A- ■■ a>h\i\ i 
j&fl. s ft-? • a^-*B * ftA^ • ahh-k .- ^n A » tf?*PP •■ 1*+??- • 0> 
ft*l a>hft*fr> i tuy **!-*- : taJM i fl-fl A^-« l £fl, : ddft-t -- ?t?° 
>?£ * ft«fl& : <»£"# s h9*hh?-a- 1 fl>hO»A" « JiCJ- : fah? ' M 
Affll I fl>£fl>Afc ! KC^ i V A^* ■ AH ■ ffhl»>C s <£<?+ : CA 
4*-fvH&?flA»/*"}4» -• a>W£'C!&'h't"'0 D PilC ' a>p,<p{D-9°t 

ti9°'- h9°A-n * fl»-Mr£;G » Tfl-fl •• ahh-t- ■ &?<?£* 1&&-10*-- 

£fl»A3: »■ fcyft*" 4 • CA>h « Monti * JflA£h J fc^im • 1 

•ac 5 * Xfttf ■ A-nrt « AH ■ j^kd-? ■ a-4-f » £flfr/h - ftfth i A"?£i 
<»fcn,A- ■ wr-ifa i H^h^h ■ ££-4-£ I £0. » Wfl/I- • a>dd 
<h1- • h&CV •■ h<*> * &.££* i (to* I ©hfl, A- 7 Wtt'h rAfl Ah « 
ftA/^* I £fl a ?iAtf» • <w»n^^ s H«p»-f- s JP^ : Afl : *rhTn « ^h 

Ki * -Mi-HH I £fl. ■■ Ji^J - +00J-C •■ w-t (i+tD s ttw^ : tDh9°il 
Ifr : tf»^i<J ■ hltt.h'ddbC '• a)fl(l<i ■ ?3>V-bfa*i»* * A^A •• fl 
h«w» 8 Wt-Mia** 8 7-h/** 8 fcr-f-ftHTJjfK** 8 A«* AuhftA- : 
7/ M X5:I JS-a 8 HA. ■ flH-fc 8 XA"^ 8 fljfl A 8 K*7lt^ s ^AP3l ! A<^-^ 8 

AH 8 AmCh5i • fl>^^7'(i^3: 8 H^j&^hWAi 8 &hch&X • h9°-\ 
arfx* - idMIiaM : HhftAAh 8 «dA.^CA*5: » hSP^i^->h i 
fl>?in, A» s to AhJr i fli^ft Afc 8 qw s AA^^flWfb 8 Ah s tf-A» * "Ml*: s 
d4"fl8^K»nif n 

1 T jUMtlh 8 J&%tf»- : H<»H'1l'Ph 8 'Th-^^hC 8 wo ich 



51 

keinen Sinn herausbekommen kann. 2 F und T 't'0 D Cth i 
wo die Anrede in der zweiten Person auffallend ist und wo 
man auch ein naheres Object \i erwarten wiirde. Das tonlose 
2<i i konnte Jeicbt ausfallen; eine solche Frage in der ersten Per- 
son kommt auch spater noch einmal. Ueber den Accusativ des 
entfernteren Objectes beim Reflexiv- Passivstamm derjenigen 
Verba, welche einen doppelten Accusativ regieren s. Dillm. 

§. 177, 5; ein Beispiel dafiir ist Hen. 62, 10 fDR-A^****^ 
*£A1fl ' *l%0° ! wo iibrigens die Lesart schwankt ; ahnlich ist 
auch Jk'JH ! £'ih 7< D 4* : 0''if | in der vorhergehenden Erzah- 
lang. 3 „Schlafe mit dem, was du brauchst", d. b. „sei zu- 
frieden mit dem, was du brauchst." Ahfl-**7fls zu fassen, wie 
^1 aLj . 4 F und T ftO° s was gar nieht passt. Die leichte 
Aenderung "h^h 00 s scheint den Anstoss zu beseitigen. 5 T K 

Zu S. 29 lin. 30. fcftT'tf* * KA * AfllhW * A<n>&tl? * 
tf-A- • <hA.(l • AO-V • iyh$\ - hFhTQ'W • A^Ci* ■ AH • m 
flfl> i rhAJlfrl? I htvd&h ' hh ' diWMlh i AM* ■ ^Afr* » 
hAt-flHl ' *£"^tf- ■ A^JMJtf- i Hh? '■ flHAU* ■ fl/h^& 
h? i hhMOh : fcA- Ah^hVd- ■ A"Mi«"B> tf-A« ■ &*■£*»' ?°ft 
m.4- ■ fcAhto. I fcta^ ■ XA - flOS^h W « AX*7li.h •' "kM* ■ fl 

^*A s fl*^h» ! flC^l3l s! Das, was diese Stelle so merkwiirdig macbt, 

sind die Formen ghBlWih I <fi4»9tl?0- * Afo^ftW « AOS^h 

VU" ! Die 2. pers. plur. fern, des Prateritum mit Pronominalsuffix 
ist sehr selten; Dillm. §. 151, 1 anm. 2 giebt nur zwei Stellen an: 

Exod. 2, 20 und Cant. 5, 8. Hier gebt h*> i vor dem Suffix in ft s 

iiber und die beiden Formen lauten ^f+Ptbi (fiir "^&*7fHf"S nacb 

§. 54 a l) und ^h*flh(J" ! was so auffallend und abnorm ist, dass 

Ludolf an der letzteren Stelle anderte und nach der Analogie ^J| 

'flYl i t s schrieb. In unsern obigen Worten nun steht eine solche 
Femininalform mit Pronominalsuffix viermal hintereinander und zwar 
anders als jene beiden, indem sie einen langen Bindevokal einscbiebt. 
Ein Analogon eines derartigen scbeinbaren „ langen Bindevocals" 

4* 



52 

bietet die arabische 2. pers. plur. masc. des Praeteritum Bj^cXaj : 

und wie hier das Aethiopische mit seinem *f*'I"A]fl< ,0 *s beweist, dass 
jenes u ein organischer Laut ist, so kann uns wiederum das arabi- 
sche ^jJLULi' Aufschluss uber die fraglichen Formen geben. Die 
Endang lautete urspriinglich gewiss JlJ* mit „Dagesch forte impli- 

citum" in dem Js und bieran hangte sich das Suffix 0*" nach Ana- 
logic der 1. pers. plnr. Spater schliff sich die voile Personal end ung 

h? s zu Wi* ab: die Form dfofltjO** scheint sich jedocb nicht 

aus ^h'ftfal 5 -f~ U" * gewinnen zu lassen, da ein derartiger Schwund 
des Nasals unerhort ist: man kann hierbei vielleieht auf die Ana- 
logic des Subjunctiv und Imperativ zuriickgehen. Wie in diesen beiden 
Formen das Aethiopische im Gegensatz zu alien iibrigen semitischen 
Dialekten (denn auch das Syrische hat wenigstens die Moglichkeit 
der volleren consonantischen Bildung ira Imperativ) den Pluralis 
vom Singularis nicht durch Nahas, sondern lediglich durch den 

einfachen Vocalwechsel von i -and a, unterscheidet (^"'ftlflfo : lh*fl 
fajP " CJiP- ! C!t\$ ! )' so konnte von dem Personalzeichen des Sin- 
gularis tl. * ein Pluralis \\ : gebildet worden sein , an welchen dann 
die Suffixe traten; das Aethiopische hat iiberhaupt eine Tendenz, 
die Formen fur die Bezeichnung des weiblichen Geschlechtes moglichst 
verkummern zu lassen. 



Kleinere Abschnitte durch verschiedene Ueber- 
liefernngen verfolgt. 

Zunachst stehe hier eine Rede des Sokrates; sie ist mir in 
griechischen Quellen nicht begegnet, stimmt aber so wortlich mit 
Hunain, dass eine Benutzung dieses oder einer geraeinschaftlichen 
Quelle ausser allem Zweifel stent: F 151b T 83a: 

$0h : «WH ' v>H& ' (D'h'P a tiki** J? • "ldV s $n\ ' Aj&fl>1= * * 

Ad 'tf-fr ■ OWJifth? > «7dH i £2 A- • +ft AAt ■ mj&7- J8.JK. .■ frfl?» ■ 
h^ii*- ■■■ 

„Es sprach der weise Sokrates : Das wichtigste Ding fur die 
Menschenkinder ist ein schoner Charakter. Wer seinen Gharakter 
schon macht, dessen Leben ist schon und dessen Wohlergehen ist 
bestandig. Und wer seinem Charakter schon macht, dessen Feinde 
vermindern sich. Ein schoner Charakter giebt Liebe zum Erbtheil 
und gebiert Zuneigung. Ein schoner Charakter fuhrt zu schonem 
Handeln und ein- boser Charakter fuhrt zu bosem Handeln. Und 
wer seinen Charakter schon macht , dessen Belieblheit ist /est und 
dem neigt sich zu das Herz ALler. Und wer seinen Charakter bose 
macht, dessen Verhasstheit ist bestandig und die Menschen fliehen 
nor ihm. i( 



54 

Bei Hunain |*x£if isfwA** ujf^l 56 a: 
^JJJj h.Xjo%.mj oucta. sXmUio cioLfe aJi*U> ^j.**^ ^x> JU^ 
^jw-«w*_sv^ s\Jj._+J{ t\~5^.j^ iL^sxJI &\yj> (JM"*' c^***^J &JytX£ 

'aU* jj*/»-ftJLJi cuyij. 2&ojU o*jo(o &jlL=*> -^L* ^^j 
1 F rait tendenzioser Aenderung £iV»"|s» % F stellt die 
Worte *70Tf •' Wtfr ! ?G>Cll s ¥*J*£ ! an den Anfang des 
Stiickes hinter IPV/& s CD"K'I : i: offenbar um die Kakophonie 
des durch plumpe Uebersetzung entstandenen zweimaligen «j£«j^ s 
zu vermeiden. Doch schwebt dann das <DJ&0J A£" s ¥4*£ ! 
vollstandig in der Luft, und Hunain beweist die Richtigkeit 
von T. J So F und T; sie haben also bei Hunain anstatt 

tX5^-> gelesen iVi^Jj die Verwechselung oder Verschreibung von 
W und J war leicht moglich. Das Entsprechende ware: (D^ 

Kit •<£%£■ 

Auch die bekannte ErzahJnng von Sokrates und Xanthippe 
(Diog. Laert. II §. 35) finden wir F 157 ab: 

i-aVti « ato-ttiih • (sc. (fat-fr : ft^^T > ) £(MA -■ A-fl 

2irt.* •• h*** » Am-tof -* ?t^(l»i" * T*$ A » h*» * £4*3* A*" ■ <»£ 

flu ai^n»A-=?iC:if'A«£nh«:MH-Mi'-^ ; 3h4 , 1*A: imtfi 
£fl,4 » Jtf°<2.4»,£h> i }&*+ A » (18r£4» » 

^.Es isi von demselben (dem Sokrates) gesagt warden: Er sprach 
zu seinem Weibe, als sie ihn aus dem Gefdngniss herausfiihrten, 
dass sie ihn todteten; und sie ging Mnter ihm indem sie weinte. 
Und er sprach zu ihr; Was bringt dich zum Weinen"! Und sie 
sprach zu ihm: Wie sollte ich nicht weinen, da du getodtet wirst 
mit Unrechtf Er sprach zu ihr: Wolltest du vielleicht, dass ich 
getodtet wiirde mit Becht?" 

Maximus 753 und 904: KaxaSixac^s^ utco 'A^vaiov xaxa- 



55 

y ii HdSxpaTes «£ a&fooc dbrcfrv^tfxsic ! sty**]* Su ouv IfJouXou [as 

Ebenso, nar ohne Namen, d^-ODii "insfe 374: 
•■Tpuin T«b» pbnn htna inis dan Ailing wis ins* *pa ■© n7aNi 
•■'San n^b r;b *ra« -nsna firvrras wibr run Jnrpb Nitnrr iibmsi 
rtb -\kx -^233 o»n «b by ^m« cawi i-d^n Nb s-i&bi ib m»K 
tiBba msr© D72n btf lajnm© siirn rr*si f»m 

Etwas anders Hunain, aber durch die eigenthlimliche Pragnanz 
und Leichtigkeit seines o£ in Abfassung der Worte des Sokrates 

sogar das Griechische tibertreffend an antithetischer Scharfe: 1. c. 
46 a: 

,^_£. wX«? JLai &j^«Uib f^ojo t\ii?j ^Lujf &jJ| y&JJj JLs 

Von Diogenes lesen wir: F 36 b T 19 a: 

oi-i-a&ap 1 (sc. MjhFHi*) aht-t- 1 ^ft ■ am i flij&n, 

flJHfl ' X AH* - A«w> a J&ltl'fl w 

„Z7nd sie fragten ihn (den Diogenes) wegen der Essenszeit ; 
und er sprach zu ihnen: Wers kann, wenn er Hunger hat und ihn 
die Lust anwandelt zu essen, so mag er essen; und wer nicht, wenn 
ers hat." 

Diogen. Laert. VI § 40 : Hgbg xov Tcu^Tofxsvov Tzoitx cipa 5si 
apurcav; El jjisv 7cXou<7iG£, sip-*], orav ^eXyj, d Ss icivrfc ctccv syr^. 

Hunain (jauLc^jJ v^ft>f 129 a: 
fjLi xaX^o ,^*J Lcf JLai ^IJjtJf ( jx j.juoLcj-j^ JUtwj 

'stX^j fj>U Jui^J ^ ^+j Uf^ ela* 

Ebenso *^i) in den .-aAX)! ^Lw'LJj (jaoL^jJ^ >^=»-f 39 r: 
C j._+J^ ^La. ft>! iu-X^j (JmJ JUi Ji"if| ou?^ c j*ft J&w 

'<->L&> fit *u£*j ^J 

Eine weitere Geschichte von Diogenes ist F 33 a T 17 a: 

00. ' W\??ft : mfl/fl •• to * A-fldA i h9°> « IT-/*' I <d& 
fl, A?> i &G3- ' hn± •■ nhfld A « h9°Hh I £fl»A»<">- : mlM * fc 



56 



„#s sprach Diogenes der Weise: Ich bin reicher als ein Konig. 
Und sie sprachen zu ikm: Wieso but du reicher als jenert Der 
Weise sprach zu ihnen: Was ich habe, geniigt, und ist besser als 
das Viele, was jener hat." 

Griechisch ist dieser Sprach nicht iiberliefert; dagegen von 
Cicero Tusc. I 32: Diogenes disputare solebat, quanto regem Per- 
sarum vita fortunaque saperaret: sibi nihil deesse, illi nihil satis un- 
quam fore; se ejus voluptates non desiderare, quibus nunquam sati- 
ari ille posset; suas eum consequi nullo modo posse. 

Hunain 128 b 1. c. : 
<Mf *} JUS yb ^sf; (j^f ^Lo j^c ^f bf JUj 
$ } jj&\ &J ; <s X*Xib y*, (Cod. &aJU) JuJb j J$ JUi di3 

'f*$j y°j ^^ p^' ^S ***** 

&*£•} 41 r 1. c: 

JUJUUI ^ u-yUI dLo yjjo ^gicfj ^ ; ! bl Lo^» JU* ; 

Auffallend ist, dass die aethiopische Redaction nichts sagt von 
dem Konig der Perser, wie Cicero, Hunain und La.» haben. Viel- 
leicht ubersetzte der Verfasaer des arabischen Originals direct aus 
einer uns verloren gegangenen griechischen Quelle, wo 6 j3aatAsu<; 
stets den Perserkonig bedeutet. 

Anch das D^-OBn -ir073 156 und 157 bat unsere Erzahlung 
■wieder ohne Namen; der Anfang bietet ein Seitenstiick zu der S. 25 f. 
mitgetheilten grosseren Erzahlung von Sokrates: 

pisoa win "^aa bNim n^n iba bsnb i»n ir«« *]ba 13 "liaetti 
ib n»« ,h jtta Tnay r:sn ^aa b«u>« iiabi lb "tea "■p* 2 " 1 bs *p 
■^a© otfos pDnOtt ■'Siws- .''Sstt lb "i^n .^aa irw* simn ^nt ^ban 

i^bffl ai^a psnoa hntttt) nay imi 

Haufig dient auch ein solches Vergleichen dazu, urn Fehlern 

oder Unklarbeite&.der: 0eberiftetzung auf die Spur zu kommen. 

lsTeihm«n wir z. B. Mgendefeeschichte von Diogenes F 146 b T 81a: 



57 . 

„-E$ sprach einer von ihnen: Es schimpfte den Diogenes' etn 
kahlkopfiger Mann. Jener aber sprach, : Ich zilrne nicht uber das 
Haar deines Kopfes; siehe geflohen ist vor deinem Hoar dieses 
Uebel" 

Das ist absoluter Unsinn; sehen wir uns einmal die griechische 
Ueberlieferung an bei Maximus 785 und Antonius 984 und 1165: 
AtoyevYjC. AoiSopouptsvos uxo twos paXaxpou tSpT)* 2s (xsv oux 
ufJpL^o, xac 8s rpfya? cou stcgcivw on xaxbv s^<pi>yov xpavfov. 
Das ist feiner, beissender Witz, ganz in der Art, wie so vieles von 
Diogenes erzahlt wird. Arabisch babe ich diese Geschichte nicht 
aufgefunden. 

Ein ziemlich eben so arg misshandeltes Stuck lesen wir von 
Alexander F 147a T 81a: 

£n,AP'AMh?#C'AS>°? ; Mr-' hj-^n-ai^d ■ M4|i 
ahhrb s ao<Eh-£ • Mif • htM' » hit*** * £4*AA • -f-<n>a>-*+ = 

„Man sprach zu Alexander : Warum hei/rathe^^du nicht ? Er 
sprach: Schwer ist es, die Bosheit der Frauen zu uberwinden, da 
es leicht ist, von Mannern uberwunden zu werden. (C 

Ich finde nur Eine griechische Erzahlung, aus welcher das obige 
Zerrbild entstanden sein konnte und hochst wahrscheinlich auch ent- 
standen ist; aber wie anders lautet das! Maximus 741 (und ahnlich 
Stobaeas I 130): 'AX^xvSpo?. Afyn-aXoTOOC Xaj3<pv Ta<; Aapswu ?Tu- 
YaTs'paij;, ^tcs(.5t] cuvs^ouXeuov aurto o[ 91X01 sSetoeaiv ouaaic aurai£ 
avn[Y&v£<fisa.i' Alcxpov ©tpTj £<ydv avSpas vtx^cavras utco -yuvaixuv 
•^TTTj^vat. Ebenso erzahlt es auch Muba^sir in den \L—*— S>( 
jdoC^ff 93 b: 

<Xj ^y^. ^f gil.^ «3» JUf 5 ^J3 ^ ^ 3Ui ^f^ 
'•yjJ JU £ ^ ; ^-Lwj UJlA^ x-UUlo SfU, LuXi 

Dann wird aoch von Alexander erzahlt F 10a 11 b T b sa 

£fl, thMtfrKCt A 8 HhtL ! *£*£-*« * £fr<0ll$« ' hnC ■ II 

5 



58 

,,-K? sprack Alexander zu einem Menschen: Willst du, dass 
man deine Bede annehme, mit der du deinen Bruder verlaumdest, 
damit man Mnwiederum die Verlaumdung annehme , mit wflcher er 
dich verldumdet ? XJnd er spraeh: Nein. Und er sprach zu ihm: 
Lass das Bose und es I'dsst von dir. 1 ' 

Hier hat der Aethiope den Anfang verstiimmelt , wodnrch die 
ganze Erzahlung etwas in der Lnft schwebt. Klar wird es erst, 
wenn wir in der &-*=j^ lesen 55 r: 

*dU* ^Jf vOJCJ y&J\ ^ oi£i 3 JU 

Dasselbe berichtet Hunain von Aristoteles in den o!i>f 
jj^JusUa^uNl 6 5a und ebenso Mubassir bei Sanguinetti V, 8, 349 
No. 67: 

^ ^aJo JUr ^ JU dUi aJ^i- Ju& bf J^ **i dUy> Juij 

1 F und T K(0*> f!»'l*(D\\4*^"-, welches nach dem arabischen 

^f (c-^c geandert ist und gewiss mit Kecht; denn auf eine 

Doppelfrage tann man nicht mit einertt" einfachen „Nein" ant- 

worten. a T 4,£\? s A tf,, ; 3h s 3 Codex durch Dittographie 

dUJU. 

Auf diese Art konnten wir wohl den weitaus grossten Theil 
unsres Bucbs der weisen Philosophen anderweitig nachweisen; doch 
wiirde das die Grenzen der vorliegenden Arbeit iiberschreiten : das 
Gegebene soil nur eine kleine Probe einer derartigen Behandlungs- 
weise sein, und mehr ist hier nicht erforderlich.